Von ULLA JONEN, 15.03.07, 17:06h, aktualisiert 15.03.07, 17:07h
Begonnen hat alles vor ungefähr 13 Jahren. Da reiste das Ehepaar Kesting nach Antalya. Viele Menschen reisen dorthin, genießen Sonne, Strand und Meer. Aber die Kestings gingen einen Schritt weiter, fuhren mit dem Bus raus, ließen Hotels und Restaurants hinter sich und erwanderten die Gegend. Sie trafen Hirten, machten Bekanntschaft mit einer „schier unglaublichen Gastfreundschaft“, sie entdeckten antike Stätten, Gräber und Amphitheater, sie genossen die Schönheiten einer „Traumlandschaft“. Und plötzlich war sie da: Die Liebe zum türkischen Land und zu den türkischen Menschen.
Auch mitgemacht
Nun ist es keineswegs so, dass das Ehepaar überheblich auf die vielen Pauschalreisenden hinunterschaut. „Klar haben wir das am Anfang auch mitgemacht“, erzählt Rosemarie. „Wir waren in Teppich-, Gold- und Lederfabriken“, eben überall dort, wo Reiseveranstalter ihre Kundschaft hinfahren, die einen ersten Blick auf das Land erhaschen möchte. Farbenfrohe Kelims im Wohnzimmer zeugen von derlei Ausflügen. „Aber darüber sind wir heute hinweg. Das interessiert uns nicht mehr“, sagen sie. Stattdessen sind die beiden auf den Spuren der Ursprünglichkeit.
Rosemarie und Helmut Kesting haben das Land bereist, mit dem Auto und zu Fuß, sind die ganze Nordküste am Schwarzen Meer entlanggefahren, und haben die Grenzgebiete zum Iran und Irak kennen gelernt. Später knöpften sie sich Kappadokien vor, eine Gegend mittendrin in diesem riesigen Land - und ihre Begeisterung wuchs von Kilometer zu Kilometer. Sie erzählen von Griechen und Römern, die einst dort ansässig waren, von Derwischen und Lehmbauten der Urchristen, von Einladungen zum Essen, wie sie sich die Füße in der Küche waschen mussten, ehe sie ans Tablett in der guten Stube gebeten wurden. Sie erzählen von Nächten in Scheunen, in kleinen Pensionen oder einfach auf einem Teppich irgendwo in einem türkischen Haus. Die Faszination sprudelt nur so aus ihnen heraus, und der Zuhörer kriegt gar rechte Lust auf dieses Land und seine Leute.
Ganz liebe Leute
Und genau diese Lust wollen sie erzeugen, die Begeisterung für „wunderschöne Landschaften“ und für „ganz liebe Leute“ weitergeben. Kurzum: Wer Lust hat, kann sich den Kestings bei einer ihrer Entdeckungsreisen anschließen, nicht in Ruhe, sondern in Bewegung. Aber Vorsicht ist geboten.
Helmut Kesting ist 72 Jahre alt, seine Frau 65. Wer von jüngeren Leuten nun glaubt, bei ihren Ausflügen gut mithalten zu können, mag möglicherweise schief gewickelt sein. Denn die beiden sind fit wie zwei Turnschuhe. Kesting hat jahrzehntelang Judo-Sportler bei Bayer 04 trainiert, trägt selbst den schwarzen Gürtel und kann mit seinen 72 Jahren auf dem kerzengeraden Rücken noch „jeden umlegen“. Die Wanderei hält beide sportlich. Und so wundert es nicht, dass Rosemarie und Helmut den Lykischen Weg gut kennen.
Das Ehepaar erzählt von den Eigenarten verschiedener Gegenden, und doch landet es beim Erzählen immer wieder auf diesem so bedeutungsvollen Weg, der in Fethiye beginnt und nach guten 500 Kilometern in Antalya endet, und den bereits Alexander der Große auf seinem Zug gen Osten genommen haben soll. Die Strecke immer an der Südküste lang ist zwar alt, der Wanderweg indes neu. Eine Engländerin, die in Antalya lebt, so wissen Rosemarie und Helmut, habe ihn wiederentdeckt, danach wurde er ausgeschildert. Noch, so scheint es, ist er ein Insidertipp für Leute, die gut und gerne zu Fuß sind. Jedenfalls hat das Neukirchener Ehepaar bei seinen lykischen Wanderungen vielleicht acht, vielleicht zehn Wanderer getroffen, nicht viel, für eine solch lange Strecke, meinen sie dazu.
Einkaufen für den Tag
Merhaba (Guten Tag) heißt es, wenn die Kestings morgens aufwachen. „Dann gehen wir meist was für den Tag einkaufen“, erzählt Rosemarie. „Yoghurt, Honig und etwas Brot“, ergänzt Helmut. „Und dann geht's ab in die Berge.“ Natürlich haben die beiden auch Wasser dabei, zwei Liter pro Person müssen es ihnen zufolge mindestens sein. Dann wiegen die Rucksäcke mit Waschzeug, Schlafsack und Anziehsachen zum Wechseln rund 15 Kilo. Abends wird dann gewaschen. Dennoch, 15 Kilo durch die türkische Hitze schleppen, sei die Gegend auch noch so schön, das muss was für ganz Hartgesottene sein, mag man denken. „Nein, nein“, korrigieren Rosemarie und Helmut Kesting.
„Wir wandern ausschließlich im Frühling und im Herbst“, erzählen sie, also im April / Mai und im Oktober / November, dann, wenn die Quecksilbersäule des Thermometers die 20 umschmeichelt. „Alles andere ist zu heiß oder zu kalt.“ Dann zieht es das Ehepaar in ihre erste Heimat, eben nach Bergisch Neukirchen. Und damit es die vielen Eindrücke, das Licht, die Klippen und das türkische Meer, nicht vergisst, hängen im Haus jede Menge Aquarelle, die Rosemarie auf ihren Reisen gemalt hat.
Wer mehr erfahren, vielleicht auch mal mitwandern möchte, der kann sich mit den Kestings gerne in Verbindung setzen. Ihre Rufnummer ist 02171 / 3 03 53, die E-Mail-Anschrift: helmut.kesting@web.de
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