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Das Publikum „broll“ vor Lachen

Von JÜRGEN WASSE, 30.04.07, 18:24h

Nach viel hohem Anspruch durfte es bei der Literaturwoche trashmäßig-locker bis skurril zugehen. Her mit einer ganz neuen Sprachwelt voll saft- und kraftvoller Verben, die noch nach etwas klingen.

Zum Beispiel im Opladener Pentagon, wo sich Mitglieder und Freunde der „Gesellschaft zur Stärkung der Verben“ versammelt hatten, um mit so originellen wie teils grotesken Konstrukten einer speziellen Sprachreform bekannt zu machen: Nieder mit den regelmäßigen Verben, lautete der Kampfruf, mit all diesem langweiligen -te-Endungskram. Und weg mit dem ganzen „schwächlichen“ Würde-Zeugs. Her mit einer ganz neuen Sprachwelt voll saft- und kraftvoller Verben, die noch nach etwas klingen. Da hopf also jemand in die Koje, knops das Licht aus und tosch das Helle gegen die Dunkelheit. Da gab's wahre Lautmalereien voll knackiger Konjunktive, eine neue Poesie, die sich auf Aberhunderte jungfräulicher Beugungsformen und ungewohnter Reime stützen kann.

Im fliegenden Wechselspiel gaben sich vier Protagonisten das Mikro in die Hand: der 20-jährige Kilian Evang, Student der Computerlinguistik in Tübingen, Andrea Heidenreich (28) alias „Heidi“, der Opladener Karsten Fleischer (35) und Norbert Koch (52) alias „Amarillo“, Sprachdozent aus Essen und „sprachlicher Grobmotoriker“, der dafür sorgte, dass das Publikum entzocken (nicht: entzückt) seinen surrealen Reimereien lauschte - oder besser doch: losch? - und immer wieder vor Lachen broll.

Sehr anregend gestaltete sich ein Spielchen mit dem Publikum, bei dem es aufgefordert war, aus nachhaltig „gestärkten“ Anfangszeilen Volks- und Kinderlieder zu erraten. Ein Spiel, das nebenbei bewies, wie gelehrig das Publikum sich bereits nach einer knappen Stunde zeigte, denn fast alle Liedanfänge wurden, obwohl teils sehr verfremdet, geraten. Die Gesellschaft zur Stärkung der Verben ist bisher weitgehend eine Internetgemeinde ( www.soviseau.de/verben ). Jetzt wagt sie sich auch ans Licht der realen Welt.

Wem nach so viel Sprachspielerei noch der Sinn nach mehr (Un-)Sinn stand, brauchte nur einen Steinwurf weiter eintauchen in die Krimi-Trash-Night. Im Rahmen seiner Bunker-Nächte hatte Peter Kaczmarek gemeinsam mit Thomas Köhn, Michael Schönen, Heike Noworzyn, Günter Fiedler sowie der umtriebigen Petra Clemens & dem W.Erk-Theater zu einen besonderen szenischen Leseabend eingeladen. An den Wänden illustrierten Collagen aus handverlesenen und selbstkonstruierten Leverkusener Krimifällen (gestaltet von Günter Fiedler) das Thema. Häppchen aus Werken zahlreicher Krimiautoren würzten den Abend, der seinen besonderen Reiz fraglos der speziellen Atmosphäre im Bunker Karlstraße verdankte. Nicht nur, dass von Fall zu Fall die Lesung der Textstücke innerlich frösteln machte, so zog es manchen immer mal wieder vor die massiv-stählerne Außentür: Der Abend lockte auch spät noch mit lauen Lüften.



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