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Neues Leben auf giftigem Sondermüll

Von ANA OSTRI´C, 05.06.07, 16:19h

Zum „Tag der Artenvielfalt“ durften Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums auf der Sonderabfalldeponie forschen. Ausgerechnet hier sollen die Schüler nach Bäumen und Gräsern, Insekten und Vögeln Ausschau halten?

BILD: RALF KRIEGER
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Zum „Tag der Artenvielfalt“ durften Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums auf der Sonderabfalldeponie forschen. Ausgerechnet hier sollen die Schüler nach Bäumen und Gräsern, Insekten und Vögeln Ausschau halten?
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Zum „Tag der Artenvielfalt“ durften Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums auf der Sonderabfalldeponie forschen. Ausgerechnet hier sollen die Schüler nach Bäumen und Gräsern, Insekten und Vögeln Ausschau halten?
Ein Brummi nach dem anderen rollt durch Tor 9. Hinter der Schranke liegt das Entsorgungszentrum Bürrig, wo Müll verbrannt und deponiert wird. Ausgerechnet hier sollen die Schüler nach Bäumen und Gräsern, Insekten und Vögeln Ausschau halten?

Die Besucher werden an den Industrieanlagen vorbeigelotst und dann, hinter einer Linkskurve, sieht man nur noch eines: Grün. Wiesen erstrecken sich zwischen Wupperauen, Deponie und angrenzender Autobahn. Kaninchen hoppeln über den schmalen Weg, ein Fasan fliegt Richtung Rheindorf.

Hier, in den Naturwiesen, gedeiht eine Kulturlandschaft inmitten der Sonderabfalldeponie. Seit einigen Jahren schon laden die Umweltdienste von Bayer Industry Services (BIS) am „Tag der Artenvielfalt“ einen Biologiekurs des Lise-Meitner-Gymnasiums ein. Die Zeitschrift „Geo“ und das Bundesamt für Naturschutz haben den Aktionstag initiiert.

Ein Dutzend Schüler nahm gestern mit BIS-Umweltexperten das Areal unter die Lupe. Ausgerüstet mit Naturführern versuchten sie, Pflanzen und Tiere zu bestimmen. „Hier ist es so grün“, kommentierte Julia Leichsenring. Mit ihren Mitschülern hatte sie zu Beginn des Aktionstags eine Bustour durch das Entsorgungszentrum gemacht. Vom höchsten Punkt der Deponie aus, dem so genannten Feldherrenhügel, habe sie in die mit Folien und Kies bedeckten Gruben blicken können. „Den Müll sieht man gar nicht“, berichtete sie. Anschließend erklomm sie mit dem Buch „Was blüht denn da?“ in der Hand den Hang an der Rückseite der Deponie. Eine Pflanze mit lilafarbener Blüte konnte sie als Wiesenglockenblume identifizieren, das Gewächs mit dem vierkantigen Stengel als Knotigen Baumwurz. „Unterricht draußen ist besser als im Klassenraum“, lobte die Schülerin den Ausflug ihres Biologie-Leistungskurs'.

Seit 1970 werden auf der Deponie in Bürrig Sonderabfälle gelagert. Bauschutt, Salze, Aschen und Klärschlamm kommen in die Grube. Voraussichtlich noch 40 Jahre lang könne das so weiter gehen, sagte der Leiter der Deponie, Günter Hesse. Danach soll das Gelände laut BIS als Naherholungsgebiet zur Verfügung stehen. „Wir wollen zeigen, dass es eine Symbiose gibt“, so Hesse. Sonderabfälle und eine intakte Umwelt stünden nicht im Widerspruch zueinander.

Weil es keine Freizeittouristen gibt, können Pflanzen ungestört gedeihen. Auch wenn Vogelgezwitscher zu hören war, prophezeite Vogelkundler Hermann Brombach den Schülern „eine magere Ausbeute“. Die Grünflächen seien weniger geworden, sagte der Bayer-Umweltexperte, „die Deponie verändert sich so schnell“. Die Veränderungen zu untersuchen, machte sich Lehrerin Barbara Marsmann zur Aufgabe. „Wir vergleichen, welche Arten nicht mehr da sind und welche hinzugekommen sind“, erklärte sie und kniete sich ins Gras, fühlte und schnupperte. Den Schülern, so versicherte sie, mache das Erkunden der heimischen Flora und Fauna Spaß: „Sie sind stolz, wenn sie an der Borke einen Baum erkennen.“



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