Von HARTMUT ZITZEN, 13.12.07, 18:00h
Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung. Eine halbe Stunde später hat sich das allerdings schon gründlich geändert. Scharenweise machen sich Schüler auf den Weg zu ihren Lehranstalten, viele davon mit dem Fahrrad. Und weil es um diese Jahreszeit dann immer noch stockdunkel ist, sah die Polizei gestern früh am Stadtpark, wo gleich zwei Schulen in unmittelbarer Nachbarschaft liegen, vorsichtshalber einmal nach dem Rechten. Mit ernüchterndem Ergebnis.
Um 7.30 Uhr setzte auf dem Straßenstück zwischen Lise-Meitner-Gymnasium und Realschule zunehmend dichter werdender Verkehr ein. Zu Fuß, per Drahtesel, Motorroller oder Auto strömten immer mehr Schüler und Lehrer an ihre jeweiligen Arbeitsplätze - hemmten ihren Vorwärtsdrang aber schlagartig, als sie der zahlreichen uniformierten Polizisten ansichtig wurden, die dort im Einsatz waren.
„Amokalarm?“, fragte eine erschrockene Lehrerin den nächstbesten Beamten. Zu ihrer sichtlichen Beruhigung erfuhr die Pädagogin daraufhin, dass es sich nur um eine großangelegte Kontrolle der Rad fahrenden Schüler handelte. Knapp eine Stunde später stand dann fest, dass die Aktion offenbar überfällig war - fast 50 jugendliche Radler hatten die Polizisten aus dem Gewühl gefischt, die trotz der Dunkelheit ohne Licht unterwegs waren.
„Das ist natürlich fatal, denn wenn die dann auch noch modisch schwarz gekleidet sind, sind sie von anderen Verkehrsteilnehmern praktisch nicht zu erkennen“, erläuterte Hauptkommissar Kunibert Luxem, der den Einsatz leitete, den Hintergrund des großen Aufwands. Aber dem Trugschluss „ich kann ja etwas sehen, also müssen mich die anderen auch sehen“ unterlägen offenbar viele Jugendliche. Das Verblüffendste an der großen Ausbeute war hingegen, dass die Verkehrssicherheitsberater der Polizei tags zuvor in beiden Schulen auf die Aktion hingewiesen hatten, vielfach aber wohl nicht ernst genommen worden waren.
Auf gebührenpflichtige Verwarnungen verzichteten die Beamten gestern dennoch, was zwei Schülerinnen nicht daran hinderte, in Tränen auszubrechen. Immerhin bekamen alle, die mit nicht verkehrssicheren Rädern erwischt wurden, Mängelberichte in die Hand gedrückt, die von den Eltern unterzeichnet und demnächst zusammen mit den in Stand gesetzen Drahteseln den jeweiligen Vertrauenslehrern präsentiert werden müssen.
Im übrigen gab die Polizei auf Wunsch allen auch schriftlich, womit ein Fahrrad laut Straßenverkehrsordnung ausgerüstet zu sein hat. Nämlich:
! einem nach vorn strahlenden Scheinwerfer mit weißem Licht,
! mindestens einem nach vorn wirkenden, weißen Reflektor,
! einer rot leuchtenden Schlussleuchte,
! mindestens einem großen, roten Rückstrahler,
! einem Dynamo,
! Pedalen mit nach vorn und hinten gelb leuchtenden Rückstrahlern,
! pro Rad mindestens zwei seitlich wirkenden, gelben Speichenstrahlern,
! zwei voneinander unabhängigen Bremsen und
! mindestens einer hell tönenden Glocke oder Klingel.
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