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„Man sieht direkt, was gemeint ist“

Von FRANK WEIFFEN, 07.01.08, 17:07h

Enge herrschte in der Galerie im Forum, wo vor lauter Glück die Tränen flossen. Elena Büchel und Willy Borgfeldt gewinnen den Europapreis 2007.

BILD: BRITTA BERG
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Willy Borgfeldt und Elena Büchel (ganz rechts) posieren vor ihrem ganz und gar nicht abstrakten, sondern vielmehr "lebendigen" Gewinner-Objekt.
BILD: BRITTA BERG
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Willy Borgfeldt und Elena Büchel (ganz rechts) posieren vor ihrem ganz und gar nicht abstrakten, sondern vielmehr "lebendigen" Gewinner-Objekt.
Elena Büchel und Willy Borgfeldt gewinnen den Europapreis 2007.

In dem engen Raum wurde es warm und wärmer. Alle standen sich irgendwie auf den Füßen herum. Und alle redeten und tuschelten durcheinander. Weiter hinten noch Getrappel von der Treppe. Sektgläserklirren. Fertig war - gemeinsam mit der unbeirrt weiterspielenden und sehr hörenswerten Klezmerband - eine Kakophonie gewaltigen Ausmaßes. Gewaltig jedenfalls für einen kleinen Raum wie die Galerie im Forum. Es brauchte schon ein Machtwort von Eloba, um die Menschenmenge im rechten Moment zum Schweigen zu bringen: „Entweder es ist jetzt ruhig hier. Oder es wird kein Preis verliehen“, sagte die in einen schwarzen Mantel Gehüllte. Dabei blickte sie für den Bruchteil einer Sekunde so ernst drein, dass einem Angst und Bange werden konnte. Aber letztlich war's natürlich lustig gemeint. Der Warnschuss saß trotzdem: Die Menge verstummte. Eloba hatte die Verleihung des Europapreises gerettet. Es stand eins zu null für die Kunst.

Nun ist „Eloba“ die in Leverkusen gebräuchliche Abkürzung für den Namen Ellen Loh-Bachmann. Die ist in Opladen wohnhafte Künstlerin - und hatte als letzte Gewinnerin des Europapreises am Wochenende die Aufgabe, den eigenen Nachfolger zu ehren. Und das waren gleich zwei: Elena Büchel und Willy Borgfeldt hatten sich im vergangenen Jahr zusammengetan und mit ihrem Objekt „Wir sind Leverkusen - Wir sind Deutschland - Wir sind Europa“ nicht nur für den ersten Preis, sondern auch für den Hingucker der jetzt im Forum eröffneten Ausstellung gesorgt: Gleich am Eingang der Galerie läuft man in die drei überdimensional großen Holzbuchstaben „Lev“ hinein und blickt in Gesichter. Jede Menge Gesichter. Es sind die in vielfacher Ausfertigung auf das Holz geklebten Porträtaufnahmen von 27 Schülern des Landrat-Lucas-Gymnasiums. Jeder hat die Flagge eines EU-Staates auf die Wange gemalt und lächelt den Betrachter an. „Hier zeigen sich Leverkusen und Europa als ein Ganzes“, freute sich Eloba in ihrer Laudatio. „Es sind die Menschen, die dieses Kunstwerk ausmachen.“ Borgfeldt war perplex. Und für Büchel war's gar zu viel des Lobes: Sie zeigte sich „überwältigt“ und begann zu weinen. In diesem Augenblick stand es zwei zu null für die Kunst.

Betrachtenswert

Dabei muss gesagt werden, dass die übrigen ausgestellten Objekte ebenfalls absolut betrachtenswert sind. Allen voran die jeweils mit einem Ehrenpreis prämierten Arbeiten von Lilli Schulz, Winfried Gille und Peter Nettesheim. Schulz wurde geehrt für ihren auf dem Forumsvorplatz stehenden, aus rostigem Eisen gefertigten „Endloskubus“, der die Silhouetten von Menschen zeigt (und der zu groß für die Galerie ist). Gille verarbeitete Holzscheiben aus allen EU-Ländern gemeinsam mit geschmolzenem Metall zum „Schmelztiegel Europa“. Nettesheim fertigte aus Robinienholz die Skulpturen zweier Menschen an („Herr Papoulis und Frau Katirzidis“), die zwei Generationen von Griechen in Leverkusen darstellen.

Und was hatte das Borgfeldtsche und Büchelsche Gemeinschaftswerk - ausgesägt und zusammengezimmert übrigens vom Ehemann der Siegerin - zu bieten, was die übrigen Objekte nicht zu bieten hatten? Die deutlichste Antwort darauf fand Philipp Albrecht. Er ist einer der auf den Fotos abgebildeten Jugendlichen, hatte die estnische Flagge ins Gesicht gemalt, unterhielt sich gerade mit Polen (Jessica Skrzypczyk) und Spanien (Martina Urbas) und sagte: „Das ist nicht so abstrakt. Man sieht direkt, was gemeint ist.“ Ist was dran. Drei zu null für die Kunst. Sieg auf ganzer Linie.



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