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„Das ist kein Schulausflug“

Von ANA OSTRI´C, 29.02.08, 17:41h, aktualisiert 29.02.08, 17:45h

Zwei Tage lang macht der „Zug der Erinnerung“ Halt im Bahnhof Opladen. In den Waggons führt er eine Ausstellung mit sich. Kinder, die im Dritten Reich in die Konzentrationslager deportiert wurden.

BILD: RALF KRIEGER
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Zwei Tage lang macht der „Zug der Erinnerung“ Halt im Bahnhof Opladen.

Über der Lok mit dem Kohlenbunker dampfte am Freitagmorgen weißer Rauch. Schön anzusehen war das historische Gefährt aber nur von außen. Es machte an Gleis fünf des Opladener Bahnhofs Halt. In den Waggons führt der „Zug der Erinnerung“ eine Ausstellung mit sich. Anhand einzelner Beispiele erfahren die Besucher von Kindern, die im Dritten Reich von den Nationalsozialisten in die Konzentrationslager deportiert wurden. Schwarz-Weiß-Fotos zeigen fröhliche Jungen und Mädchen - doch die Texte auf den Schautafeln erzählen vom Leid der Kinder.

Der Zug fährt seit November 2007 Bahnhöfe in Deutschland an und verkehrt auf der Strecke der früheren Deportationen der Reichsbahn. Dort steuert er die Heimatstädte der Kinder an, die zwischen 1940 und 1944 in Vernichtungslager verschleppt wurden. Europaweit wurden Hunderttausende Kinder Opfer des Nationalsozialismus, weil sie aus aus jüdischen Familien, aus Familien der Sinti und Roma stammten oder Kinder von Nazi-Gegnern waren. Auf die Schiene gebracht wurde er von Bürgerinitiativen, sein Ziel ist die Gedenkstätte Auschwitz.

Oberbürgermeister Ernst Küchler besuchte die Ausstellung am Freitagmorgen mit Schülern der Hauptschule Neukronenberg und der Katholischen Hauptschule Im Hederichsfeld. Den Begleitern des Zugs überreichte Küchler Dokumente über drei deportierte Jugendliche aus Wiesdorf und Opladen. Denn auch die Spurensuche und das Gedenken an Opfer aus jenen Städten, in denen die Ausstellung Station macht, gehört zum Konzept des „Zugs der Erinnerung“.

Günter Salomon, geboren 1927, lebte bis zu seiner Deportation an der Kölner Straße in Opladen. Sein Vater Siegmund war Metzger und Vorsteher der Opladener Synagogengemeinde. Am 27. Oktober 1941 wurden Günter Salomon und seine Eltern abgeholt und von Düsseldorf in das Ghetto Lodz gebracht. Das letzte Lebenszeugnis stammt vom Mai 1941. Heute erinnern vor dem Haus an der Kölner Straße 54 drei „Stolpersteine“ an die Familie.

Die Zwillinge Renate und Siegfried Badler wurden 1926 in Wiesdorf als Kinder des Kaufmanns Abraham Badler geboren. Er betrieb an der Hauptstraße ein Konfektions- und Manufakturwaren-Geschäft. 1935 floh die jüdische Familie Badler in die anonymere Großstadt Köln und in Folge der Reichspogromnacht 1938 schließlich nach Holland. Nach der Besetzung der Niederlande durch die Deutschen wurde die Familie verhaftet und in das Lager Sobibor deportiert. Siegfried und Renate Badler starben dort am 23. Juli 1943.

Neben den Opfern werden auch mehrere Täter der unterschiedlichen Funktionsebenen vorgestellt - vom Reichsverkehrsministerium über die SS bis hin zu den Logistikplanern der Reichsbahn, die für den Transport der todgeweihten Kinder in die Vernichtungslager sorgten.

Oberbürgermeister Küchler sagte, der Besuch der Ausstellung sei „schmerzlich“: „Das ist kein Schulausflug.“ Die 15-jährige Jaqueline Kick, Schülerin der Katholischen Hauptschule Im Hederichsfeld, zeigte sich beeindruckt. „Ich hab gedacht, das wird langweilig“, gab sie zu, „aber das ist schon krass, wenn man die kleinen Kinder sieht. Die waren ja nicht viel jünger als wir.“ Jaqueline lobte den Besuch des Zugs als gute Ergänzung zum Geschichts- und Deutschunterricht, in dem sie sich zurzeit mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt: „Das lohnt sich auf jeden Fall.“

Die Ausstellung im Bahnhof Opladen kann am Samstag von 9 bis 19 Uhr auf Gleis fünf besucht werden. Der Eintritt ist kostenlos.

Weitere Bilder unter

 www.ksta.de/lev-fotolines



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