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Goethe, oh Schreck

Von ANA OSTRI´C, 27.03.08, 20:14h, aktualisiert 27.03.08, 20:33h

Was verbinden die Anwohner der Goethestraße in Opladen mit Goethe? In erster Linie fühlen sich die Menschen an ihre Schulzeit erinnert und betonen, dass diese ja ach so lange her sei.

BILD: RALF KRIEGER
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Neben der Goethestraße, die zum Teil eine Fußgängerzone ist, gibt es in Opladen auch einen nach dem Dichter benannten Platz. Dort sind große Teile der Stadtverwaltung untergebracht.
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Neben der Goethestraße, die zum Teil eine Fußgängerzone ist, gibt es in Opladen auch einen nach dem Dichter benannten Platz. Dort sind große Teile der Stadtverwaltung untergebracht.
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In der Opladener Zweigstelle der Stadtbücherei am Goetheplatz werden „Faust“ und Co. eher selten ausgeliehen.
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Blickfang: kugelrunde Lampen an einem Wohn- und Geschäftshaus.
BILD: RALF KRIEGER
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Der „Leverkusener Anzeiger / Kölner Stadt-Anzeiger“ begibt sich auf Straßen, die berühmte Namensgeber haben. Wir fragen die Menschen in Leverkusen, Leichlingen und Burscheid, was sie mit „ihrer“ Straße verbinden.

Ein Mehrfamilienhaus an der Goethestraße in Opladen. Zwei Jungs, geschätzte 14 Jahre jung, öffnen die Wohnungstür. Weil die Mutter telefoniert, dürfen die beiden preisgeben, was sie über den Namensgeber „ihrer“ Straße wissen. „Der hat Gedichte geschrieben“, sagen sie einvernehmlich. Die Verse des deutschen Dichterfürsten sind den Heranwachsenden aber bislang noch nicht untergekommen, weder zu Hause noch im Unterricht. „Wir machen in der Schule gerade nur Nationalsozialismus“, erklärt einer der Jungen aus der Goethestraße und schaut ein bisschen entschuldigend. Der Schülerschreck steht den beiden also womöglich noch bevor. Generationen von Pennälern haben beim Lesen und Interpretieren von Goethes Schriften nicht minder gelittenals der junge Werther.

WOHNEN BEI . . .

Johann Wolfgang von Goethe

Wen auch immer wir auf der Opladener Straße auf Goethe ansprechen - die Menschen fühlen sich an sofort ihre Schulzeit erinnert und betonen, dass diese ja ach so lange her sei.

Jahrzehnte sind auch vergangen, seitdem der Goetheplatz nicht mehr als Platz zu erkennen ist. Einst lud dort eine schöne Grünanlage mit Springbrunnen zum Verweilen ein. So wie Gretchen zupften sich einst die Opladener Mädchen eine Blume und murmelten: „Er liebt mich, liebt mich nicht“. Das Grün musste tristem Grau weichen, als 1974 das weniger schöne Verwaltungsgebäude eingeweiht wurde. Einmal nur tagte dort der Opladener Stadtrat, zwei Wochen später, am 1. Januar 1975, wurde Opladen ein Stadtteil von Leverkusen.

Johann Wolfgang von Goethe ist nicht nur auf den Schildern der Straße und des Platzes zu finden. Seine gesammelten Werke stehen im Regal der Stadtbücherei, deren Opladener Filiale im Verwaltungsgebäude untergebracht ist. Ausgeliehen werden die dunkelblauen Bände selten. „Sogar ich les den nicht“, gibt eine Mitarbeiterin zu, „es gibt Schriftsteller, die mich mehr reizen.“ Ein paar Neugierige greifen trotzdem zu. Die würden sich dann aber eher für Leben und Lieben des Dichters erwärmen, erklärt die Buchexpertin. „Christiane und Goethe“, ein Buch über Johann Wolfgang und seine Ehrefrau Christiane Vulpius, ist bei den Leverkusener Lesern weitaus gefragter als beispielsweise „Faust“.

Apropos: Wie sagt der Titelheld noch in „der Tragödie zweiter Teil“ zu einem Augenblick? „Verweile doch, du bist so schön.“ Schöne Momente kann man an der Goethestraße auch erleben. Zum Beispiel in einem der Läden. Bilder Leverkusener Maler und edler Schmuck können ebenso erworben werden wie modische Haarschnitte. An der Ecke zur Kölner Straße werden Reiseträume wahr. Wie wäre es mit Italien? Dort hat der Dichterfürst sich von der schönen Landschaft inspirieren lassen. Den Städtetrip nach Weimar gibt es unter dem Motto „Auf Goethes Spuren“. Weniger erfreulich dagegen dürfte ein Besuch beim Zahnarzt oder Rechtsanwalt sein, denn auch die gehören zur Goethestraße, an der sich Wohn- und Geschäftsräume die Waage halten.

Bekannt ist die Goethestraße für das Opladener Glockenspiel. Wer sich auf eine der halbrunden grünen Bänke in der Fußgängerzone setzt, kann dem Klang der 18 Bronzeglocken um Punkt 12 Uhr mittags in aller Gemütsruhe lauschen - wenn auch mit dem Rücken zum Geschehen sitzend. Matthias Schüermann arbeitet im Optikerladen gegenüber und hört das Spiel Tag für Tag. Als ehemaliger Schüler des Landrat-Lucas-Gymnasiums hat er in seinem heimischen Bücherregal Goethe-Werke stehen, „mit vielen kleinen Notizen drin“. Während die Lektüre im Unterricht reine Pflicht gewesen sei, beschlich ihn nach dem Abitur das Gefühl, „dass ich zu wenig mitbekommen habe“. Noch einmal las er die Werke des Sturm-und-Drang-Dichters. Sein Fazit: „»Die Leiden des jungen Werthers« fand ich ganz nett, wenn auch sehr düster.“

Die unerfüllte Liebe Werthers zu Lotte endet mit einem Selbstmord und hat auch bei Pit Hupperten bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Sänger wohnt an der Goethestraße und findet, „dass man das gelesen haben sollte“. Goethe indes sei nicht nur aufgrund seines literarischen Schaffens eine interessante Persönlichkeit, findet er: „Es ist beeindruckend, dass der Herr auf so vielen Wissensgebieten unterwegs war.“ Hupperten war sogar einmal in Weimar und hat von dort nur Schönes zu berichten. „Wo finden Sie an einem Fleck noch soviel Gutes“, hat Goethe über diese Stadt gesagt. Pit Hupperten lobt indes „seinen“ Flecken, die Goethestraße: „Ich war schon immer ein Neustadt-Fan.“



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