Von Frank Weiffen, 18.07.08, 16:04h, aktualisiert 21.07.08, 11:42h
„Er kannte nur drei Namen: Beethoven, Bach - und eben Mozart“, erinnert sich Heinz Klaus Strick. Die bekamen die Kinder zu seiner Pennälerzeit wieder und wieder vorgesetzt. „Unser Lehrer hat uns zwar unheimlich viel beigebracht“, gibt er zu. „Trotzdem habe ich nach der Schule Jahre gebraucht, um mir diese Musik wieder anhören zu können.“
Was indes auch etwas Gutes hatte: In einem Alter, in dem andere Jugendliche diese „Superstars“ der Klassik gerade erst entdecken - und es damit auch bewenden lassen - wandte sich Strick bereits Komponisten wie Wagner oder Schostakowitsch zu. Schwere Kost mitunter. Aber genau die ließ den ehemaligen Leiter des Landrat-Lucas-Gymnasiums in jungen Jahren vom Musik-„Schüler“ zum Musikkenner und schließlich zum Musikliebhaber werden. Es begann mit Radio und Fernsehen. „Damals gab es im TV eine Serie, in der Leonard Bernstein einzelne Klassikwerke jeweils eine Stunde lang vorstellte. Manchmal redete er 60 Minuten über ein Stück, das vielleicht zwei Minuten dauerte. Ich fand das unglaublich.“ Heinz Klaus Strick verfolgte jede einzelne Sendung, sog die Informationen gierig auf - und bildete sich nebenher im Radio weiter: „Was da an Klassik lief, das schnitt ich mit“. Über 200 Tonbänder befinden sich in seiner Sammlung. Tonbänder, auf die erste Schallplatten folgten, ehe sich die Sammelleidenschaft mit dem stetig wachsendem Wissen endgültig Bahn brach.
„Ich hörte die »Leningrader Sinfonie« von Schostakowitsch.“ Heinz Klaus Strick war begeistert. „Ich hörte Wagners »Tannhäuser« unter der Leitung von Franz Konwitschny.“ Heinz Klaus Strick war hingerissen. „Ich hörte den »Othello« mit Toscanini und »Romeo und Julia« von Charles Gounod.“ Heinz Klaus Strick traute seinen Ohren nicht, so wunderbar waren diese Werke. Seine zur Klassik entflammte Liebe konnte zwar nicht verhindern, dass auch Strick mit der Popmusik - die sich damals gerade anschickte, von Amerika (Elvis) und England (Beatles) aus die Welt zu erobern - „fremdging“. In Stricks Keller stehen noch heute zahlreiche Erstpressungen von „Beatles“-LPs. Aber: „Das ist Musik, die ich eben früher gehört habe“. Musik, die irgendwann ihren Reiz für Heinz Klaus Strick verlor. „Die Klassik aber“, sagt er, „die ist für immer geblieben.“ Dazu genügt ein Blick auf die Regale in seinem Bergisch Neukirchener Arbeitszimmer: Links stehen die Opern. Neben der Tür stehen die Sinfonien und Sonaten. Rechts und direkt neben der Anlage befinden sich die ganz großen, persönlichen Favoriten. Nicht alphabetisch sortiert, sondern nach Epochen - der Mann ist ein echter Experte. Ein Experte, aber kein „Freak“. So einer würde seine Musik nämlich möglichst auf Vinyl hören.
Heinz Klaus Strick aber gibt ehrlich zu: „Meine Schallplatten habe ich schon vor geraumer Zeit in Kartons gepackt - und mir die meisten davon als CD neu gekauft“. Der Verschleiß an Nadeln sei einfach zu hoch gewesen. „Außerdem ist die Qualität nicht so gut wie auf CD. Und eine Platte muss man ja alle 25 Minuten umdrehen.“ Das ist nichts für Genießer und Vielhörer. Genau das aber ist Heinz Klaus Strick.
Er hört Musik zur Entspannung. Er hört Musik während der Arbeit. Und er hört - nicht umsonst ist er Mathematiker - Musik mit den Ohren eines echten Analytikers. Verdis „Hymne der Nationen“ etwa: Wenn am Ende dieses Werkes die Nationalhymnen Englands, Italiens und Frankreichs gleichzeitig gespielt und gesungen werden, freut sich Heinz Klaus Strick wie ein Kind. Wenn die für Wagner so typischen Streichersätze die Tonleiter von hoch nach tief stürzen, dirigiert sein Arm mit. Wenn er Alban Bergs Oper „Wozzeck“ hört, dann ergeht er sich euphorisch in einem Vortrag über Zwölftonmusik. Heinz Klaus Strick beim Musikhören zuzuschauen, ist ein Erlebnis für sich.
Das wissen mittlerweile auch die Enkelkinder. Für die hat der 63-Jährige ein ganz spezielles Stück in der Sammlung parat: Es ist eine CD, auf der sich 14 Variationen des bekannten Kinderliedes „Kommt ein Vogel geflogen“ befinden. Jede einzelne Version ist so arrangiert, dass sie nach einem berühmten Komponisten klingt. „Die Kleinen sind jedenfalls immer begeistert, wenn ich sie auflege.“ Und der Opa gleich dazu: So lernen die Enkel schon in jungen Jahren, wer Wagner war, wie Händel klingt und - ja, auch das - was für ein Genie dieser Mozart doch gewesen ist.
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