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Grossfamilie

Rechtsfreie Räume in Wiesdorf?

Von Hartmut Zitzen, 14.11.08, 15:42h

Um die Sicherheit in der Stadtmitte ging es bei einer Diskussion im Erholungshaus. Eine Großfamilie versetzt die Anwohner in Angst und Schrecken. Von Pöbeleien, Bedrohungen und Übergriffen war die Rede.

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Diskussion um die Sicherheit in Wiesdorf (Bild: Ralf Krieger)
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Diskussion um die Sicherheit in Wiesdorf (Bild: Ralf Krieger)
Wiesdorf - „Wir können nicht überall gleichzeitig sein und sind deshalb auf Ihre Hinweise angewiesen.“ Wolfgang Elbracht, Leiter der Polizeiinspektion Leverkusen, wurde nicht müde, beim Publikum um Unterstützung zu werben. Das wiederum wurde nicht müde, mehr amtlichen Schutz vor dem scheinbar immer aggressiver werdenden Treiben einer Leverkusener Großfamilie zu fordern. „Wiesdorf ist das Zentrum - ist das Zentrum auch sicher?“ lautete das Motto des Abends im Erholungshaus, zu dem CDU und SPD gemeinsam eingeladen hatten. „Wie sicher ist die Bevölkerung vor den Mitgliedern der Sippe?“ hätte es allerdings genauso gut heißen können.

Unter den rund 50 Diskussionsteilnehmern war offensichtlich niemand, der in diesem Zusammenhang nicht schon schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Von beinahe täglichen Pöbeleien, Bedrohungen und Übergriffen war ebenso die Rede wie von organisierten Strukturen und Drogenhandel auf offener Straße. Jeden Abend, berichteten Anwohner, komme es namentlich im Erholungshauspark und in der Passage zwischen Hauptstraße und Carl-Leverkus-Straße zu geschäftlichen Transaktionen, bei denen dubiose Päckchen den Besitzer wechselten.

Beschimpft und bedroht

Andere Familienmitglieder räumten hemmungslos die Briefkästen der Nachbarn aus, müllten fremde Gärten mit ihrem Unrat zu oder blockierten mit ihren Oberklasse-Limousinen frechweg die Fahrbahn, um in aller Ruhe ein Schwätzchen mit Verwandten zu halten. Wer dagegen protestiere oder gar mit der Polizei drohe, hieß es, werde zumindest aufs Übelste beschimpft („Nazischwein“), meist aber mit Repressalien bedroht. Das alles, bedauerte Elbracht, schlage sich allerdings keineswegs in einem erhöhten Anzeigenaufkommen nieder. Die Polizei könne aber nur gegen Ordnungswidrigkeiten und Straftaten einschreiten, die ihr bekannt werden.

Andere Beamte, die die Leverkusener Verhältnisse seit Jahrzehnten kennen, berichteten in diesem Zusammenhang auch, dass es einen gravierenden Unterschied zu früher gebe. Das ursprüngliche Oberhaupt der Sippe, die in den 60er Jahren nach Leverkusen kam und zunächst auf der Hummelwiese in Schlebusch campierte, habe es stets verstanden, seine Familie im Zaum zu halten und die schlimmsten Auswüchse zu verhindern. Der heutige Clanchef genieße diesen Respekt aber nicht mehr. Dementsprechend ungezügelt benehme sich inzwischen vor allem die nachwachsende Generation.

Jürgen Scharf, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Manfort / Wiesdorf, mochte das Publikum dennoch nicht aus seiner staatsbürgerlichen Pflicht entlassen. Man sehe nicht nur vermehrt Videos von jugendlichen Schlägern, sondern gleichzeitig auch allzu viele Passanten, die wegschauen und so erst rechtsfreie Räume schaffen. Frank Schönberger, Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Wiesdorf / Manfort, pflichtete ihm bei: Je mehr Bürger Zivilcourage zeigten, desto weniger habe der einzelne zu befürchten.

Sozialdezernent Frank Stein, der auf dem Podium die Stadtverwaltung vertrat, verbrachte einen vergleichsweise ruhigen Abend: Für die Verfolgung von Straftaten sei nun einmal ausschließlich die Polizei zuständig - die Anregung aus der Diskussionsrunde, über eine Wiedereinführung der Citystreife nachzudenken, bezeichnete Stein aber als „hochinteressanten Vorschlag“, den er in die politischen Gremien tragen werde.



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