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Weinbuch

Erkundungen im Riesling-Paradies

Von Thomas Käding, 06.01.09, 18:23h

Jens Burmeister, Chemiker aus Schlebusch, hat einen Weinführer über den Mittelrhein geschrieben. Darin befasst er sich akribisch mit den Erzeugnissen und den Böden, auf denen die Trauben wachsen.

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Weinkenner Jens Burmeister.
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Weinkenner Jens Burmeister.
Leverkusen - Weit hatte er es nicht: 50 Kilometer bis Bonn, dahinter geht es schon los. Die Weinberge des Mittelrhein reichen bis Bingen, das sind nochmal 120 Kilometer. Insgesamt waren „nur“ 457 Hektar Weinberge zu erforschen: Jens Burmeister hat sich dafür fünf Jahre Zeit genommen. Herausgekommen ist ein Buch, in dem sich der promovierte Chemiker intensiv mit den Charakteristika der traditionsreichen Weinlandschaft auseinander setzt. Auf 210 Seiten befasst sich der gebürtige Wilhelmshavener und heutige Schlebuscher mit allen Facetten dieses „sehr, sehr interessanten Weinbaugebiets“. Warum es darüber „so gut wie gar nichts“ an Schrifttum gab, hat Burmeister gewundert und nicht ruhen lassen. 2003 ging zunächst sein „Mittelrhein-Weinführer“ ins Netz, eine Internet-Seite, die der Schlebuscher Schritt für Schritt zu einer der guten Wein-Adressen ausgebaut hat. „Eine Website wird aber selten so genau gelesen wie ein Buch“, sagt der 41-Jährige. Deshalb hat er sich an dieses Projekt gemacht. Der Chemiker, der bei der Konstruktionsfirma Bayer Technology Services arbeitet, stammt zwar nicht gerade aus einer Weingegend - aber während des Studiums in Freiburg „habe ich auch Weinseminare besucht“, berichtet Burmeister. In seinem Fall hat sich das oft belächelte „Studium Generale“ somit als ertragreich erwiesen. Dazu kommt, dass für einen Chemiker „alles, was mit Kellertechnik zu tun hat, nicht so weit weg ist“. Sein Beruf, sagt er, habe ihm bei den Recherchen zwischen Oberdollendorf und Trechtingshausen durchaus geholfen. Gerade in den Gesprächen mit Winzern. Burmeister hat es nämlich gewagt, die Erzeugnisse dieses klassischen Riesling-Gebietes - 70 Prozent der Rebstöcke tragen die Traube - einer durchaus kritischen Würdigung zu unterziehen. Und sich auf zwei Spitzenwinzer festzulegen. Dass sich am Mittelrhein ganz überwiegend kleine Familienbetriebe finden, denen eine (eher schlechte) Kritik nicht gerade bekommen wird, hat Burmeister in Kauf genommen. Erleichtert hat ihm das Kritiker-Geschäft eine Vorauswahl: „Man sieht sehr schnell, welche Winzer mit Engagement bei der Sache sind.“ Unter denen hat er sich umgeschaut und manche Kreszenz gekostet.

Burmeister hat es aber nicht beim „weinromantischen“ Teil belassen. Mit Hingabe beschreibt er die Böden, auf denen die Reben der vielfältigen Mittelrhein-Lagen wachsen. Dabei verliert er sich keineswegs in Geologen-Sprech, das den Durchschnittsleser wohl überfordern würde. Das Buch bleibt immer lesbar. Die Quellenlage sei übrigens gut gewesen, berichtet Burmeister: „Die Daten liegen vor. Aber sie wurden nicht systematisiert ausgewertet.“ Das hat der Chemiker erledigt und einen Überblick geschaffen, bei dem die „Terroirkultur“ nicht zu kurz kommt.

Jens Burmeister: „Weinromantik und Terroirkultur“, im Buchhandel zu bestellen, ISBN: 978-3-8370-7218-1, 19,80 Euro.



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