Von Frank Weiffen, 17.02.09, 17:07h
Eigene Songs haben die Jungs nicht. Das durchgeknallte Quintett um „Pi Harris“ (Gesang), „Be$tiens“ (Gitarre), „20 Fingers“ (Keyboards), „Dirrrrty Rodriguez“ (Bass), „Phil Jay“ (Schlagzeug) und die beiden nicht minder - nun ja - außergewöhnlichen, anonymen Bühnentänzerinnen jagt lieber die Red Hot Chili Peppers, die Foo Fighters, Rage Against The Machine, Public Enemy, die Beastie Boys oder Cypress Hill durch die Marshall-Verstärker und setzt sein Publikum mit einer kruden Mischung aus Rock-, Funk- und Hiphop-Hits in Brand. „Pi Harris“ nuschelt dazu sein Credo „Neverending Flows'n' Skills“ in den Raum hinein, was heißen soll: Der Musikfluss, die Fähigkeit der Band, als Chaos-Instrumentalisten das Publikum mit Beats und Gitarrenriffs zu unterhalten, reißt nie ab. Und wer die „Legendary Ghetto Dance Band“ im Rahmen der Shuttle-Party 2008 bei ihrem ersten großen Auftritt erlebt hat, der weiß denn auch: Die Lunte zischt tatsächlich schon nach Sekunden. Dann folgt zwei Stunden lang ein Knall nach dem anderen.
Nach der Bandhistorie zu fragen, bringt zunächst einmal eines: Man bekommt die tollsten Wahnwitzigkeiten um die Ohren gehauen. „Dirrrrty Rodriguez“ habe gerade den Knast verlassen, ehe er sich der Combo anschloss - erzählen zumindest seine Kollegen. Er selbst setzt lieber stumm eine Flappe auf, dreht an seinem protzigen Siegelring und streichelt über das blinkende Dollarzeichen, das an einer seiner zahllosen Ketten baumelt. Auch die anderen Bandmitglieder hätten sich als Klein-, Mittel- oder Großkriminelle (Pi Harris: „Wir sind eigentlich eine Firma, you know.“) sowie als Partyheuschrecken verdingt. Ihre beiden Tänzerinnen gabelte die Truppe beim „Battlen“ - einem Rap-Wettbewerb nach amerikanischem Vorbild - auf verdreckten Straßen auf. Gespräche mit der Gruppe enden zwangsläufig im Englisch-Deutschen Kauderwelsch, garniert mit viel „Yo“, „Baby“ oder „Yeah, Man“. Ein Alptraum für Verfechter der sprachlichen Reinheit; ein Traum für viele Jugendliche.
Doch - Schnitt! - es ist alles nicht so schlimm, wie es scheint. Eigentlich ist sogar alles ganz harmlos. Denn selbstverständlich kommen diese ungezogenen, unflätigen Jungs und Mädels nicht aus der Bronx. Wenn dem so wäre - wieso sollten sie dann ausgerechnet hier im „Scala“, einer der guten Stuben der Stadt, sitzen? Sie alle kommen vielmehr aus Leverkusen. Und sie haben ganz normale Namen: „Pi Harris“ ist Pablo Schallenberg, „Be$tiens“ ist Fabian Stiens, „20 Fingers“ ist Christian Dellacher, „Dirrrrty Rodriguez“ ist David Rodriguez, „Phil Jay“ ist Philipp Jacob - und die beiden Tänzerinnen heißen Lena Hölzer und Lisa Leckelt. Die fünf Musiker spielen normalerweise in lokalen Bands wie „Inside Gravity“, „Tripstone“ oder „Brunch At Five“. Einige von ihnen sind Mitglieder des „Jazztage“-Teams von „Scala“-Besitzer Eckhard Meszelinsky - und genau in diesem Umstand liegt das Gründungsgeheimnis der „Legendary Ghetto Dance Band“ verborgen: „Irgendwann haben wir in einer Pause bei den Jazztagen zusammen gesessen und entschieden: Wir müssen ein gemeinsames Nebenprojekt, eine reine Partyband starten“, sagt Pablo Schallenberg. Um dem Wörtchen „Party“ Nachdruck zu verleihen und um sich von ihren eigentlichen Bands abzugrenzen, musste natürlich ein entsprechendes Image her. Klar: Je verrückter, desto besser. Und weil alle fünf ein Faible für Hiphop als musikalisches Synonym für das Leben im Ghetto der Großstadt haben, war der Proleten-Look schnell gefunden. Die (Plastik-)Klunker gab's spottbillig per Massenbestellung im Internet.
Live im Scala
Eine Platte der Truppe existiert noch nicht. Aber jeder, der will, kann die Band buchen (E-Mail-Adresse siehe unten). Und: Jeder, der will, kann sie demnächst live im „Scala“ erleben. Nicht etwa, wie man vermuten könnte, als Vorgruppe des US-Rüpel-Bluesrockers „Popa Chubby“ beim im März stattfindenden Bluesfest. Sondern am morgigen Donnerstag, an Weiberfastnacht, an Karneval. Aber auch das passt ja wie die Faust aufs Auge bei der „Legendary Ghetto Dance Band“.
Das Konzert an Weiberfastnacht findet statt unter dem Titel „No Humba! No Täterä!“ und beginnt um 18 Uhr. Eintrittskarten zum Preis von acht Euro gibt es an allen Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse.
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