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Automaten umfunktioniert

Kunst statt Zigaretten

Von Bernhard Romanowski, 13.08.09, 17:47h

Julia Brück nutzt ausgediente Automaten, um ihre Eifeler Miniaturen unters Volk zu bringen. Die Idee entstand aus der Not heraus, für Gäste aus der Stadt ein regionaltypisches Souvenir zu finden. Das Konzept dazu trug sie schon lange mit sich herum.

Julia Brück
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Die studierte Grafikerin und bekennende Eifel-Liebhaberin Julia Brück aus Kronenburg stellt mit ihrer Automatenkunst nicht nur ihr kreatives Potenzial, sondern auch ihren Geschäftssinn unter Beweis. (Bild: Romanowski)
Julia Brück
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Die studierte Grafikerin und bekennende Eifel-Liebhaberin Julia Brück aus Kronenburg stellt mit ihrer Automatenkunst nicht nur ihr kreatives Potenzial, sondern auch ihren Geschäftssinn unter Beweis. (Bild: Romanowski)
Kunstautomat
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Das Bild zeigt den Kunstautomaten an der „Bücherecke“ in Blankenheim. An elf weiteren Standorten hat Brück ebenfalls ihre Geräte postiert. (Bild: Romanowski)
Ein Unikat
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Auch alte Kondomautomaten kommen dabei zum Einsatz. Rechts im Bild sieht man eine der Miniaturen, die Brück als Unikate anfertigt. (Bild: Romanowski)
Kunstautomat
Ein Unikat
Dahlem-Kronenburg - „Kunst statt Kippen“ wäre ein treffendes Motto für die Idee, mit der Julia Brück sich vor gar nicht allzu langer Zeit selbständig gemacht hat. „Chamaeleon“ nennt die 38-jährige Künstlerin selber ihr Projekt, das nicht nur ihren Broterwerb darstellt, sondern zugleich eine fantasievolle Hommage an die Region Eifel ist. Für ihre Miniaturkunstwerke, die sie mittels ausrangierter Zigarettenautomaten unters Volk bringt, hat sich mittlerweile sogar schon eine eigene Sammlerszene gebildet.

Brück lebt seit zweieinhalb Jahren mit ihrem Lebensgefährten und zwei Hunden in Kronenburg. Das beschauliche Burgdorf und die Eifel drum herum kennt sie aber schon aus Kindheitstagen, als sie mit ihrer Familie regelmäßig aus Düsseldorf anreiste, um sich hier zu erholen. Der Umzug von der Stadt aufs Land fiel ihr demnach nicht schwer: „Ich finde hier in der Eifel alles, was ich brauche, mitunter genauso schnell wie in Düsseldorf“. Nur entsprechende Souvenirs für ihre Gäste aus der Stadt fand sie laut eigener Aussage nie. „Es ist schwer, etwas Eiflerisches zu finden, das nicht dem üblichen Sortiment entstammt“, meint Brück. Dabei habe die Eifel so viel zu bieten. Das Konzept, viele künstlerische Kleinigkeiten statt großer Bilder mit originären Eifel-Motiven zu gestalten, trug die studierte Grafikdesignerin schon lange mit sich herum.

Zuweilen witzig

So schuf sie Zeichnungen von einzelnen Ortschaften und besonderen Bauwerken, malte Landschaften in Acryl und nahm sich auch Einzelmotive aus Flora und Fauna der Eifel vor. Teils nachdenkliche, teils sehr witzige Illustrationen zu lokalen Kuriositäten oder Persönlichkeiten und zur Geschichte hat sie ebenso im Angebot. Einige Werkinhalte sind als Serien erschienen. Grundsätzlich aber sind alle ihre Arbeiten handgefertigte Unikate von hoher Qualität. Sie werden unter Einsatz verschiedenster Techniken und Materialien hergestellt. Besonderen Anklang bei den Kunden finden ihre putzigen Eifel-Zwerge sowie kleine Collagen aus Fossilien in Verbindung mit Strichmännchen. Sie wirken ein bisschen wie Höhlenmalereien und nehmen die Eigenart der Eifeler mit Titeln wie „Listiges, kriegerisches Bergvolk“ humorvoll aufs Korn.

Zwar ist Brück auch mit einem eigenen Stand bei Märkten oder anderen Veranstaltungen vertreten. Doch das Verkaufsmittel, auf das sie nun verstärkt baut, ist der Automat an der Hauswand. Elf Standorte hat Brück bereits mit ihren ausrangierten Zigarettenautomaten bestückt. In Kronenburg hängen sogar drei. Unter anderem kann man sich so auch an der „Bücherecke“ in Blankenheim und am Café „Nohner Mühle“ auf rheinland-pfälzischer Seite ein Kunstwerk Brückscher Fertigung ziehen. Etliche weitere Standorte sind bereits im Gespräch. Mit sechs Euro ist ein Päckchen Kunst etwas teurer als eine Packung Zigaretten, aber dafür hat man auch länger etwas davon. Und die Nebenwirkungen - besonders als Geschenkidee - sind durchweg positiver Natur. Auch Auftragsarbeiten nimmt Brück an. Erst vor einiger Zeit hat sie die St-Laurentius-Kirche in Marmagen anlässlich des dortigen Pfarrfestes miniaturisiert dargestellt und in großer Stückzahl produziert.

Der Name für ihr Projekt hat damit zu tun, dass auch die Automaten Unikate sind. Allen Geräten gemeinsam ist nur die weiße Grundfarbe mit dem grünen Blütenblatt und dem Schriftzug „Chamaeleon“ darauf. Denn die Automaten passen sich dem jeweiligen Standort gestalterisch an. Je nach örtlicher Gegebenheit kommen auch ausrangierte Kondomautomaten zum Einsatz, die Brück und ihr Lebensgefährte im Internet ersteigern und neu aufarbeiten. Das hat auch schon zu Verwechslungen geführt. Der ein oder andere Automatennutzer hatte unversehens ein kleines Kunstwerk in der Hand, obwohl ihm eigentlich der Sinn nach einem ganz anderen Produkt stand. Ganz gezielt gehen dagegen einige Sammler auf die Automaten zu und fahren auch eigens die Märkte ab, wo sie den Stand von Julia Brück vermuten. Es wird wohl nicht lange dauern, bis es auch eine Tauschbörse für ihre künstlerischen Kleinode geben wird. Weitere Informationen zu den Kunstautomaten findet man im Internet.



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