Mädchen gegen Jungen. Das gibt es im Judo normalerweise nicht, aber die Organisatoren der Safari machten eine Ausnahme.
Mädchen gegen Jungen. Das gibt es im Judo normalerweise nicht, aber die Organisatoren der Safari machten eine Ausnahme.
Leverkusen -
"Wenn man Spaß an einer Sache hat, dann nimmt man sie auch ernst," sagte einmal der Kölner Arzt Gerhard Uhlenbruck und könnte damit die Kinder beschrieben haben, die in weißen Judoanzügen durch die Herbert-Grünewald-Sporthalle tobten. Was für den außen stehenden Betrachter chaotisch erscheinen mochte, war tatsächlich ein gut organisiertes Durcheinander.
Rund 80 Kinder
"Das macht Spaß, wenn man mit seinen Freunden spielen kann, und das Springen mag ich am liebsten", erzählte Jacqueline Grentz, die seit drei Jahren Judo betreibt. Für die Neunjährige ist es bereits die fünfte Judo-Safari und bestimmt nicht die letzte denn "Wettkämpfe mag ich gern", erzählt sie. Zu dem sportlich-kreativen Wettbewerb mit Übernachtung auf der Judomatte meldeten sich rund 80 Kinder an. "Hauptsächlich sind Judokinder dabei, aber auch deren Geschwister oder Freunde wurden mitgebracht", berichtete der Sportliche Leiter Michael Weyres.
Aufgeteilt in vier Gruppen wurden die Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren in die Leichtathletik eingeführt und alle Leistungen notiert. "Alle Kinder bekommen am Ende ein Abzeichen und eine Urkunde", so Weyres, der auch Trainer der Judo-Abteilung ist. Für jede Disziplin bei diesem Vielseitigkeits-Wettbewerb gab es Punkte, die addiert wurden, um dann eines der sechs Abzeichen zu verleihen. "Der schwarze Panther ist dabei die höchste Auszeichnung," erläutert Weyres weiter und vergleicht sie mit den Gürtelstufen, die beim Judo üblich sind.
"Ich freu mich am meisten auf das Malen", erzählte Tristan Kern der zum ersten Mal dabei war. Der Malwettbewerb ist den unterschiedlichen Altersgruppen angepasst. "Die Kleinen bekommen eine Vorlage, wobei die aus den Betreuern bestehende Jury vor allem auf kreative Farbwahl und ordentliches Ausmalen Wert legt," erläutert Wolfgang Ehnes. Die zweite Gruppe, bestehend aus Kindern von neun und zehn Jahren, sollten eigenständig ein Tier im Judoanzug zu Papier bringen. "Die größeren werden eine Comicfigur im Judoanzug zeichnen", so Sportlehrer Ehnes weiter. Die Meisterstücke wurden am nächsten Morgen für die Eltern ausgestellt.
Zwar begann die Judo-Safari am Samstag erst um 19 Uhr, doch viele Kinder waren schon früher gekommen, um die Männer der Judo-Bundesliga lautstark anzufeuern. Für Marie Christ steht fest: "Hier ist für jeden was dabei". Die Zehnjährige findet es schön "dass alle mitmachen können, auch die, die nichts mit Judo zu tun haben". Für Lukas Berger (9) war die Pause zwischen den Wettkämpfen bis jetzt das schönste, denn "da konnten wir auf den riesigen Matten herum hüpfen".
"Das Licht machen wir um zehn Uhr aus und dann schauen wir mal, ab wann geschlafen wird", schmunzelte Weyres und prophezeite sich und den anderen Betreuern eine kurze Nacht. "Aus Sicherheitsgründen halten wir heute Nacht abwechselnd Wache", erklärte er weiter.
Mädchen gegen Jungen
Marius Wölfel betreibt seit drei Monaten Judo und freute sich besonders auf den Sonntagmorgen. "Da wird dann richtig gekämpft," erzählte der Achtjährige und meinte damit das japanische Turnier. "Bei richtigen Turnieren werden sie zwar getrennt, aber hier kämpfen Mädchen gegen Jungen", sagte Wolfgang Ehnes. Das Turnier wurde mit einer Haupt- und einer Trostrunde durchgeführt, so dass es jedem möglich war, zwei Mal zu kämpfen. "Alle stellen sich der Größe nach auf, und die jeweils kleinsten kämpfen dann miteinander", erklärte der Sportlehrer. Wenn dann noch Zeit bleibt, geht es weiter mit einem Spiel, das Ehnes besonders am Herzen liegt. "Dieses Jahr gibt es das Kirschkernkissen-Weitwerfen, das besonders interessant ist, weil es sich dabei um einen Alltagsgegenstand handelt, dessen Flugbahn nicht wirklich berechenbar ist", erzählte er, während sich die Kinder schon auf das Abendessen in Form von Pizza freuten.
Judo Trainer Michael Weyres sieht in der Safari vor allem eine Motivation für Kinder, an Wettbewerben teilzunehmen. "Manche sind noch nicht soweit um bei Turnieren mitzumachen und haben so die Möglichkeit, an einem teilzunehmen", berichtete er. Für Wolfgang Ehnes geht es auch um Gewaltprävention: "Judo ist ein fairer Sport, so können die Kinder lernen, fair zu kämpfen, auch auf anderen Ebenen".