Von Frank Weiffen, 29.10.09, 17:57h
Schon beim Betreten des schnuckelig engen Jazzclubs war etwas von jener Magie zu spüren, die besondere Musikabende ausmacht. Der enge Raum war vollgepackt mit Gästen. Jedem tropfte irgendwann der Schweiß von der Stirn, weil die Temperatur stetig stieg. Zigarettenqualm waberte durch die Luft. Kurzum: Es gab Rock'n'Roll zum Spüren und Greifen. Und dann war da noch dieser eine Gast, der irgendwann mit ausgewaschener Jeans und abgewetztem Karohemd die winzige Bühne betrat, sich die Akustische um den Hals schnallte und ein paar Songs zu Ehren seines „alten Freundes Peter“ anstimmte: Wolfgang Niedecken. Sechsmal trat er mit BAP im Rockpalast auf. Aber nie zuvor war er in Leverkusens guter Musik- und Kneipenstube gewesen. Es war seine „topos“-Premiere nach über 30 Jahren Kölschrock.
Und Niedecken war begeistert: „Ein affengeiler Laden“, sagte er mit tiefer, dröhnender Stimme. Dann sang er „Millione Meile“, seine Hommage an den irischen Teufelsgitarristen Rory Gallagher, der im Juli 1977 der Star des ersten Rockpalastes war. Und ließ sich dabei von einer jungen Ausgabe Gallaghers begleiten: Milan Hoffmann, gerade mal 14 Jahre jung und Sohn eines Freundes, jagte von seiner roten Düsenberg-Gitarre Soli wie ein alter Hase in die Kneipe. Ein Moment für Gänsehaut.
Später schnappte sich Niedecken ein Feierabend-Kölsch und lauschte Rüchel. Der machte es sich jetzt am Tresen gemütlich, um seinen Gästen „hautnah“ diese unzähligen absurd-kuriosen Anekdoten rund um Pete Townsend, Little Steven und - natürlich - Gallagher vorzutragen. Anekdoten, in denen durch Hotelbars jagende Gitarristen, 24 Schwarzwälder-Kirsch-Torten und einen lebenden Tiger ordernde Superstars sowie Skandalauftritte mit über das Geschlechtsteil gestülpten Socken vorkamen. „Wir hatten eine tolle Zeit“, sagte Rüchel. „Das ganze Jahr war ausgefüllt mit Musik. Es gab keine Ruhephasen.“ Bereut habe er das nie. Was ein Glück: Wäre es so gewesen, dann hätte es ja auch ein Abend wie diesen, der erst kurz vor Mitternacht endete, nie gegeben. Einen, an dem das kleine „topos“ für dreieinhalb Stunden zum Mittelpunkt der Rock 'n' Roll-Welt wurde.
Das Buch des Wahl-Leverkuseners Peter Rüchel „Rockpalast - Erinnerungen“ wird zwar erst in der kommenden Woche veröffentlicht, ist jedoch schon jetzt zum Preis von 29,95 Euro in der Schlebuscher Buchhandlung Gottschalk erhältlich.
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