Erstellt 04.11.09, 16:53h
Die Geschichte einer Puppenfigur, die zum Leben erwacht und gleich an seiner ersten Liebe tragisch scheitert, ist angelehnt an Stravinskys „Petrushka“-Ballett - und ist letztlich nur Mittel zum Zweck, so überzeugend und fesselnd ist die tänzerische Leistung der Darsteller. Denn was eigentlich als unvereinbar gilt, bildet in der Choreografie Mario Schröders eine feste, eine einzigartige Einheit. Klassische Musik wird mit elektronischen Samples unterlegt und umgekehrt. Es ist ein einziges, stetes Kommen und Gehen von Musik, wie sie verschiedener nicht sein und wie sie doch nicht besser zueinander passen könnte. Die Akrobatik der Hip-Hopper ist atemberaubend. Und wenn Donald Colson als Puppe Petrushka zum Leben erwacht, dann tut er das absolut synchron zur Musik: Jeder einzelne Klavierton ist bei ihm das Zucken eines Muskels. Perfekter können Töne nicht in Bewegung übersetzt werden.
Dieser wilde Mix von Tanzstilen, die in Zeit, Ausdruck, Technik und zugrunde liegender Musik so vollkommen unterschiedlich sind, ist fast ein bisschen wie die sichtbar gewordene Evolution des Tanzes: Alles baut aufeinander auf. Alles lässt sich zueinander beziehen. Das ist fast schon Anarchie. Innovativer und umfassender kann es auf der Bühne kaum zugehen. (frw)
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