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Jazztage

Meister der Stille, Meister des Lärms

Von Frank Weiffen, 11.11.09, 16:45h

Am vierten Tag der Leverkusener Jazztage spielt der Saxofonist Jan Garbarek mit seiner Band im Forum. Im „topos“ tritt die No-Stress-Brothers-Band auf.

Jazztage am Dienstag
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Charaktergesicht aus Norwegen: Jan Garbareks Mienenspiel erwies sich im Terrassensaal als mindestens ebenso mitreißend wie sein Spiel auf dem Saxofon. BILD: BRITTA BERG
Jazztage am Dienstag
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Charaktergesicht aus Norwegen: Jan Garbareks Mienenspiel erwies sich im Terrassensaal als mindestens ebenso mitreißend wie sein Spiel auf dem Saxofon. BILD: BRITTA BERG
Wiesdorf - Reden verboten. Stille ist alles. Wenn Jan Garbarek spielt, dieser Saxofonist von Weltformat, dann ist alles andere als seine Musik störend. Das sonstige konzerttypische Drumherum fällt weg. Selbst ein Gang die kleine Treppe im Terrassensaal hinauf und an den dort stehenden Jüngern des großen Mannes mit dem silbernen Haarschweif vorbei zieht erbostes Zischeln nach sich. Wenn Garbarek, der Kuchen, spielt, dann haben alle anderen, die Krümel, nichts zu melden. Aus gutem Grund natürlich.

Denn das, was der 62-Jährige da mit seinem Instrument und im Zusammenwirken mit der Band um den Percussionisten Trilok Gurtu als weitere schillernde Persönlichkeit macht und tut, ist große Kunst. Und große Kunst braucht eben immer auch ein gewisses Maß an Demut, um zu wirken. Den Rest besorgt dieser mitreißende, mit norwegischen Folk-Elementen durchsetzte „Sound Of Silence“ Garbareks. Und sein Mienenspiel: Manchmal, wenn er besonders konzentriert ins Saxofon bläst und die dichten, buschigen Augenbrauen in der Stirnmitte zusammenkräuselt, wenn er das Kinn spitzt und die Augen schließt, dann sieht er aus wie ein Verwandter des Charaktergesichts und Charakterdarstellers Jack Nicholson, wie eine ungeschminkte Variante der Comicfigur „Joker“ aus den „Batman“-Cartoons. Der ist zwar verschlagen - was wir Garbarek nicht unterstellen wollen. Der ist aber auch eine hochintelligente, Grenzen auslotende und auf seine Weise kunstvolle Persönlichkeit. Nur: Garbarek ist kein Joker. Den hat er gar nicht nötig. Er ist selber das Ass und spielt sich in die Riege jener Musiker, deren Auftritt im Anschluss an die Jazztage als Höhepunkt des Festivals gehandelt werden wird.

Ortswechsel am selben Abend. Raus aus der Weite des gut gefüllten Forums. Rein in die Intimität des Jazzclubs „topos“. Dort gibt es keinen Joker, kein Ass wie Garbarek. Und doch spielt die No-Stress-Brothers-Band souverän die Karten aus. Durch den engen Raum dröhnt Bluesrock, Soul und Rhythm & Blues. Stille sucht man da vergebens. Viel lieber brüllen die Menschen begeistert zurück, wenn Schlagzeuger Miki Milan schreit: „I'm a Blues-Machine!“ oder lautstark und mit einem ordentlich Wumms auf die Snare-Drum die Frage stellt: „Leverkusen, are you ready?“ Ja, Leverkusen ist bereit. Leverkusen tanzt, Kölschgläser schwappen über. Und der Damenclub um Gudrun, Helga und Sylvia - alle zwischen 50 und 60 Jahre jung und zum Glück kein bisschen weise - ruft in den Lärm hinein, warum die drei heute genau hier und nicht bei Garbarek im Forum sind: „Das Forum ist wie die Philharmonie in Köln - viel zu groß, edel und ungemütlich.“ Oder wie es Karla (48) ausdrückt: „Hier lässt es sich besser zappeln.“ Wer stillhalten will, der kann ja rübergehen zum großen Norweger.



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