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Zeitzeuge Salomon Perel

An der Grenze des Selbsthasses

Von Ana Ostric, 04.12.09, 18:00h

Er ist 84 Jahre alt, lebt in Israel und hat viel zu erzählen. Salomon Perel berichtete an zwei Leverkusener Schulen, wie er das Nazi-Regime überlebt hat. Die Schüler waren sichtlich beeindruckt von der Geschichte dieses Zeitzeugen.

Salomon Perel
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"Deutschland ist immer mein Mutterland geblieben", sagte der in Israel lebende Salomon Perel bei seinem Besuch in Leverkusen. (Bild: Britta Berg)
Salomon Perel
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"Deutschland ist immer mein Mutterland geblieben", sagte der in Israel lebende Salomon Perel bei seinem Besuch in Leverkusen. (Bild: Britta Berg)
Leverkusen - Die Schüler sind mucksmäuschenstill. Konzentriert hören sie dem Mann, der vor ihnen sitzt, zu. Zwei Stunden lang erzählt er von Krieg und Judenverfolgung. Der Mann ist kein Geschichtslehrer. Die Geschichten die er erzählt, hat er nicht in Büchern gelesen - er hat sie erlebt. Sein Name ist Salomon Perel, 84 Jahre alt, jüdischen Glaubens. Er hat das Nazi-Regime überlebt - als Hitlerjunge.

Mit dem hebräischen Gruß „Shalom“ begrüßte Perel am Freitagmorgen die Schüler im Lise-Meitner-Gymnasium. Die zehnten Klassen waren in die Aula gekommen, um einen Unterricht der besonderen Art zu erleben. „Zeitzeugen sind die besten Geschichtslehrer“, sagte Salomon Perel. Er mahnte die Jugendlichen, nicht die Fehler von damals zu wiederholen und Rassismus nicht zu tolerieren.

Gift fürs Gehirn

Zwei Stunden lang sprach der in Israel lebende Perel über seine Jugend, in der er sich als Volksdeutscher ausgab und in ständiger Angst lebte, als Jude enttarnt zu werden. „Ich war damals so alt wie ihr jetzt“, sagte Perel an die Schüler gewandt. Sein „junges Gehirn“ sei durch das nationalsozialistische Gedankengut „vergiftet“ worden. So lange und so intensiv, dass er schließlich an die Grenze des Selbsthasses kam, weil er jüdischen Glaubens war.

„Dieser Hitlerjunge, der ich jahrelang war, ist ein Teil von mir geblieben“, berichtete der 84-Jährige, der sich auf einer vierwöchigen Reise zu Schulen in Deutschland befindet. Am Freitag besuchte er außer dem Lise-Meitner-Gymnasium auch die Gesamtschule Schlebusch.

Perel schilderte viele kurze Episoden aus seiner Kindheit und Jugend, die für sein Schicksal entscheidend waren. Als sein Schulleiter ihm in Folge der Nürnberger Rassegesetze mitteilte, dass er nicht mehr am Unterricht teilnehmen dürfe, habe er bitterlich geweint. „Das ist bis heute eine offene Wunde“, so Perel. Von Verbitterung aber war bei ihm nichts zu hören. Im Gegenteil: Mit viel Charme und Witz begeisterte er die Schüler.

Seinen jungen Zuhörern gab Perel eine Bitte mit auf den Weg: „Ihr seid jetzt auch Zeitzeugen. Bitte überliefert es an die nächste Generation.“ Mit lang anhaltendem Applaus bedankten sich die Schüler für Perels beeindruckende Schilderungen. „Das ist schon etwas besonderes, einen Zeitzeugen live zu hören“, freute sich Zehntklässler Marvin Sonnenberg. Wie wichtig ihnen die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist, bewiesen die Lise-Meitner-Schüler nach der Veranstaltung: Viele Jugendliche eilten zum Bücherstand, um sich Perels autobiografischen Roman „Ich war Hitlerjunge Salomon“ zu kaufen.



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