Von Jan Sting, 02.06.10, 18:39h
Gemütlich
Nun haben sie aber alle einen Kloß im Hals. Denn die „Ilona“ hört auf. Das Lokal „Altstadt“ mit der gutbürgerlichen Küche an der Lichstraße in Wiesdorf hat die Gäste scharenweise mit tollen Portionen ernährt. Wie eine gemütliche Höhle schaut es aus und wirkt mit dem Charakter der Jausenstation, den vielen Puppen, Trockensträußen und Schleifen unweit der nackten Industriearchitektur des Werks wie die Werkstatt für alles Liebevolle. Wer Ilona sieht und von ihr sofort geduzt wird, spürt, dass es von Herzen kommt.
Zum Rollbraten soll es Rotkraut und Knödel geben. „Und wenn Du darauf trittst“, verrät die Wirtin, „werden sie noch größer.“ Wieder dieses Feuerwerks-Lachen, das durch das Lokal knallt. Das Angenehme an Ilona König ist, dass sie niemandem die Welt erklärt. Aber wer mit ihr spricht, weiß schnell, dass sie eine ganze Menge davon versteht. Als junge Frau kam sie 1964 aus Slowenien nach Stuttgart, lernte „picobello putzen“, kam in die Küche und wurde neun Monate später Kellnerin. Kochen und Backen lernte sie bei der Mama: „Ich war eine Kuchenbackerin“. 1965 ging sie auf den Wink eines Kollegen hin nach Leverkusen. Dort brumme die Industrie und daher gebe es gut Geld, hieß es. Und das stimmte offenbar. In Heinz Wachtmeisters Café hatte sie ihre erste Stelle. Ihre gebrochenen Stakkatosätze, der Schmelz der Steiermark, in deren Nähe sie aufwuchs und dieser blitzgescheite Humor machten aus Ivanka, wie sie ursprünglich hieß, schon sehr bald eine Instanz. Den Namen Ilona gab ihr die Chefin, die Wachtmeisterin. Und dabei ist es geblieben. Schon bald lernte sie ihren Mann Werner kennen, gründete mit ihm eine Familie und „unser Sven wurde 1969 geboren“. Als ersten eigenen Betrieb übernahmen sie das Café Schweigert am Platz des heutigen Gesundheitszentrums. Besonders viel lief, wenn die Lohntüten verteilt worden waren. Und diese frühe Zeit, in der es vorzugsweise Frikadellen gab, findet Ilona im Nachhinein am schönsten. 1970 ging es ins Kron-Eck an der Breidenbachstraße, 1982 in die Lichstraße. Gegenüber entstand auch das Hotel Altstadt, das Ilona und ihr Mann Werner mit Sohn Sven aber weiterführen. „Viel Unterstützung bekam Ilona von Ehemann Werner, der Familie und dem guten, langjährigen Team“, sagt Ilona. Da das Haus, in dem das Restaurant „Altstadt“ untergebracht ist, verkauft werden soll, beschloss die 65-Jährige nun endgültig aufzuhören.
Hoher Besuch
Ein komisches Gefühl werde es bestimmt sein, nach über 40 Jahren nicht mehr hinter dem Tresen zu stehen, sagt Ilona. Aber sie freut sich auf mehr Zeit mit der Familie. Seit Dezember ist Enkel Julian auf der Welt. Vieles gäbe es noch zu erzählen. Von der Zeit, als noch mehr rote Fahrräder an der Breidenbachstraße hielten, von den Bayer-Pumpenschlossern, die den ersten Stammtisch gründeten, von den Ministerpräsidenten Johannes Rau und Wolfgang Clement, die bei Ilona aßen.
Von den Streichen und Späßchen wären noch zu nennen: Ein Putzlappen wurde als Schnitzel paniert, unter den Käse auf das Brot kam ein Bierdeckel und in die Frikadelle ein Zahnstocher. Trotzdem kamen die Gäste wieder. Noch Mal schwillt dieses unvergleichliche Ilona-Lachen an, und man weiß, dass man es schmerzlich vermissen wird.
Unfassbar,nicht zu aktzeptieren
03.06.2010 | 20.05 Uhr | Zombi67
Und wieder stirbt ein Stück Leverkusener Nostalgie ,wo feier ich jetzt mein Jubiläum ? Weihnachtsfeier mit Kollegen usw.etc
Ein Schock für viele…
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