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Ausstellung

Fußball, Panzer und Tretminen

Von Dirk Risse, 11.06.10, 19:36h

Einmal einen „Müllball“ nachbasteln - haben sich einige Jugendliche gedacht, die an der Ausstellung „Blick nach Afrika“ im Deutschen Sport und Olympiamuseum mitgewirkt haben. Ein Kultur-Projekt an Kölner Schulen zur WM in Südafrika.

Impressionen aus Afrika
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Impressionen aus Afrika und der Welt des Fußballs haben die Kölner Schüler zusammengestellt. (Bild: Rakoczy)
Impressionen aus Afrika
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Impressionen aus Afrika und der Welt des Fußballs haben die Kölner Schüler zusammengestellt. (Bild: Rakoczy)
KÖLN - Eine Handvoll Müll, eine Plastiktüte und eine darum gewickelte Schnur - und fertig ist der Fußball. In Afrika spielen Kinder und Jugendliche ebenso gern wie in Deutschland den beliebten Mannschaftssport. Nur die wenigsten von ihnen haben aber das Geld, um sich einen richtigen Ball zu kaufen, und kicken daher mit Material, das es überall gibt - Abfall. Die Jugendlichen der Kölner Hauptschule Großer Griechenmarkt haben für die Ausstellung „Blick nach Afrika“ im Deutschen Sport und Olympiamuseum einen solchen „Müllball“ nachgebastelt. „Wir können das zwar nicht so gut wie Jungs in Afrika“, räumt Schüler Pierre Kerstin (16) ein. „Aber es funktioniert.“

300 Jugendliche an zehn Kölner Hauptschulen haben sich für die Schau, die jetzt eröffnet wurde, über ein „Partnerland“ in Afrika schlau gemacht. Haben in Atlanten und im Internet Informationen über Uganda, Mauretanien oder Gambia eingeholt, Fotos zusammengestellt, Zeitungsartikel gesammelt und dann Briefe und E-Mails an Schulen, Organisationen und Jugendliche auf dem anderen Kontinent geschickt. Geantwortet hat zum Beispiel Evelyn, das Mädchen vom Voltasee. 100 Kilometer nördlich der ghanaischen Hauptstadt Accra lebt sie und trainiert in einem Mädchen-Team zwei- bis dreimal in der Woche. „Es gibt immer mehr Mädchen, die Fußball spielen dürfen. Dann bleiben sie nicht immer Zuhause“, schreibt die 15-Jährige.

Die Kölner Schüler haben während der Arbeit an der Ausstellung, die vom Kölner Straßenfußball-Projekt „köln kickt“ und der Jugendart-Galerie des Kölner Schulamtes unterstützt wurde, viel über den harten Alltag der Mädchen und Jungen in Afrika gelernt. Über Jugendliche in Liberia, die als Kindersoldaten im Bürgerkrieg missbraucht wurden. Oder über Tretminen, die aus dem angolanischen Bürgerkrieg übriggeblieben sind, und noch heute den Weg für die Mädchen und Jungen zum Sportplatz zu einem Wagnis machen. Fein aufgereihte Schuhpaare sind auf einem Foto vor einer Kabine zu sehen. Und Schuhprothesen von Kindern, denen die Sprengsätze Beine zerrissen haben. Manchmal stehen sogar mitten in den Städten Panzer herum, die sich - warum auch immer - nicht mehr vom Fleck gerührt haben, und Kindern als bizarre Spielplätze dienen.

Sport und Alltag wird die Kölner Straßenfußballerin Juliane Milewski in Afrika kennen lernen. Als Kulturbotschafterin reist die 16-Jährige zum Jugend-Festival „Football For Hope“ nach Johannesburg, zu dem Jugendliche aus 31 Ländern kommen. Eigentlich hätte Juliana Deutschland auch bei einem Fußball-Jugend-Cup vertreten sollen. Nachdem sie sich aber ein Innenband verletzt hat, wird sie die Pressearbeit für die deutsche Delegation übernehmen. „Ich werde auf jeden Fall viele Eindrücke mitnehmen“, sagt sie.

Blick nach Afrika, Deutsches Sport und Olympiamuseum, Im Zollhafen 1, Di-Fr, 10 bis 18 Uhr, Sa, So, 11 bis 19 Uhr, bis 11. 7.



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