Von Hartmut Zitzen, 22.06.10, 18:19h, aktualisiert 23.06.10, 10:26h
Die Bilder von den jüngsten Überschwemmungen in Polen und Südfrankreich sind noch frisch und legen die Befürchtung nahe, dass aus der Übung schon bald der Ernstfall werden könnte. Entsprechend konzentriert gingen die rund 35 Beteiligten gestern ab 10 Uhr vormittags zu Werke. Sie gehören zu einer speziell geschulten Elite und sind Bestandteil eines bundesweiten Konzepts, das vor fünf Jahren entwickelt wurde. Grundgedanke ist die Forderung, Ausbildung, Einsatzablauf, Ausrüstung und Rettungstechniken so zu standardisieren, dass auch willkürlich zusammengewürfelte Teams problemlos miteinander arbeiten können, ohne sich vorher jemals begegnet zu sein.
Weit fortgeschritten
Die Gruppe, die das gestern in Hitdorf zwischen Fähranlager und Krancafé trainierte, scheint auf diesem Weg schon sehr weit fortgeschritten zu sein. Nachdem der Hubschrauber der Bundespolizei gegen 11 Uhr das erste Mal gestartet war, wurden Rettungseinsätze im Fünf-Minuten-Takt geflogen. Im Helikopter befand sich dabei neben den Polizei-Piloten und einem Kollegen, der die Seilwinde bediente, auch ein speziell ausgebildeter DLRG-Rettungsschwimmer. Von einem Schnellboot aus ließ sich dann ein weiteres DLRG-Mitglied mit der starken Strömung rheinabwärts treiben, bis der Hubschrauber zur Stelle und die Bergung vollbracht war.
Drei Zielpersonen musste jeder Rettungsschwimmer aus dem Wasser holen, dann wurden die Rollen getauscht. Nach jeweils knapp einer Stunde und zwölf einzelnen Übungen landete der Hubschrauber zum Auftanken und Pilotenwechsel, bevor es mit der nächsten Gruppe weiterging. Der Leverkusener Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes unterstützte die Übung unterdessen am trockenen Ufer mit Personal und Material. Unter anderem kümmerten sich die Rotkreuzler um die Verpflegung der Einsatzkräfte, stellten Zelte, Bänke und Tische zur Verfügung und übernahmen die Öffentlichkeitsarbeit.
Die gestrige Übung dürfte sich bei steigenden Temperaturen im übrigen auch ohne Hochwasser schon bald bezahlt machen. Im vergangenen Jahr ertranken in der Badesaison bundesweit 474 Menschen in Binnengewässern, davon allein 60 in Nordrhein-Westfalen. Für manchen Schwimmer in Not könnte ein schneller Hubschraubereinsatz demnächst durchaus die letzte Rettung sein.
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