Von Susanne Rohlfing, 16.07.10, 16:28h
Sie wird es brauchen. Denn die Fahrkarten zu den Europameisterschaften der Leichtathleten sind in dieser Saison im Stabhochsprung der Frauen so umkämpft wie nie. Die Entscheidung fällt - wie in den meisten anderen Disziplinen auch - am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig. Vier Athletinnen sind wie Spiegelburg bereits zweimal über 4,50 Meter und mehr geflogen, sie erfüllen damit die EM-Norm. Zudem fehlt Julia Hütter (Bruchköbel) nur noch ein Sprung über die Normhöhe. Damit dürfte sicher sein: Die drei dieser sechs Springerinnen, die am Sonntag in Braunschweig die Podiumsplätze belegen, werden zur EM vom 27. Juli bis 1. August in Barcelona fahren.
Traum vom deutschen Rekord
Leszek Klima, der Trainer von Silke Spiegelburg, ist begeistert. „Nirgendwo in der Welt gibt es einen so hohen Durchschnitt der besten Höhen“, sagt er, „wir sind eine richtige Macht geworden“. Die verstärkte Konkurrenz für seine Athletin stört ihn überhaupt nicht. „Für die Entwicklung des Stabhochsprungs ist das das Beste, was uns passieren konnte.“
Und Silke Spiegelburg ist ohnehin zuversichtlich, dass eines der Tickets an sie gehen wird. Die Leverkusenerin lässt sich auch davon nicht aus der Ruhe bringen, dass zuletzt eine Deutsche einen Zentimeter höher flog als sie selbst. Carolin Hingst aus Mainz überwand 4,72 Meter und führt damit die europäische Bestenliste vor der russischen Weltmeisterin Swetlana Feofanowa, der Polin Monika Pyrek und Spiegelburg an. Die drei haben bislang 4,71 Meter stehen. Anna Battke (Mainz), Kristina Gedschiew (Zweibrücken) und Lisa Ryzih (Ludwigshafen) schafften jeweils 4,60 Meter.
Von den Deutschen Meisterschaften erhofft sich Leszek Klima viel. Er traut Silke Spiegelburg zu, den deutschen Rekord von Annika Becker (4,77 Meter, 2002) zu knacken. Dreimal hat sie es in dieser Saison schon versucht, jetzt soll der Traum mit Hilfe der starken Gegnerinnen endlich wahr werden. „Sie hat es drauf“, sagt Klima, und: „Sie ist eine Kämpferin.“ Obwohl Carolin Hingst bereits einen Zentimeter höher flog und ebenfalls den Rekord anpeilt, sieht Klima Vorteile bei Spiegelburg: „Die anderen bringen ihre Leistungen nicht so sicher, Silke ist stabiler.“
Vier Europäerinnen legten in dieser Saison acht Sprünge über 4,70 Meter und mehr hin. Vier davon gelangen Spiegelburg, zwei Feofanowa und je einer Hingst und Pyrek. Die russische Weltrekordhalterin Yelena Isinbajewa gönnt sich und ihrem vom jahrelangen Hochleistungstraining ausgelaugten Körper eine Pause.
Die WM in Berlin endete für Spiegelburg im vergangenen Jahr noch mit einer Enttäuschung. Sie war über 4,65 Meter geflogen, genauso wie die Zweitplatzierten Monika Pyrek und Chelsea Johnson aus den USA. Aber Spiegelburg brauchte mehr Versuche, deshalb gab es für sie keine Medaille, sondern nur Platz vier. Hinzu kam, dass ihr ein großartiger Versuch über 4,75 Meter gelang. Doch die Einstellung des Ständers passte nicht und sie nahm die Latte beim Hinunterfliegen doch noch mit. „Hätte ich nur auf meinen Trainer gehört“, jammerte sie später. Klima hatte ihr eine andere Ständereinstellung vorgeschlagen.
Inzwischen trauert Spiegelburg dem Sprung von Berlin nicht mehr hinterher. Flüge wie dieser gelängen ihr jetzt bewusster und konstanter, sagt sie. „Das Feeling in diese Richtung ist viel mehr da.“ Und der Rat des Trainers, wird er noch immer manchmal überhört? „Nein“, sagt Leszek Klima, „das macht sie nicht mehr, sie fragt jetzt immer lieber zweimal nach.“
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