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Portrait

Am liebsten ohne Drehbuch

Von Antje Hildebrandt, 26.08.10, 18:51h, aktualisiert 30.08.10, 10:44h

Die Kölner Schauspielerin Annette Frier beherrscht inzwischen auch subtile Töne. Zusammen mit ihrer Kollegin Cordula Stratmann ist sie auf Sat1 mit „Wir müssen reden“ in einer neuen Improvisations-Sitcom zu sehen.

Anette Frier
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Die Kölner Schauspielerin Anette Frier (Bild: Worring)
Anette Frier
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Die Kölner Schauspielerin Anette Frier (Bild: Worring)
Es ist eine Rolle, die das Leben für sie maßgeschneidert hat: die Spontane. Annette Frier scheut sich nicht, kurzfristig ihren Urlaub zu unterbrechen, um Telefon-Interviews zu ihrer neuen Impro-Sitcom bei Sat.1 zu geben. „Wir müssen reden“, heißt die neue Show. Zwei Frauen treffen sich jede Woche bei ihrem Lieblingsitaliener, um über dies & das zu quatschen, über Kinder, Kerle oder Küche. Der Titel klingt beinahe nach einer Drohung - bedenkt man, dass Sat.1 die zweite Hauptrolle mit einer befreundeten Kollegin besetzt hat, mit der sich Annette Frier auch im richtigen Leben einiges zu erzählen hat: Cordula Stratmann. Dass sie ein eingespieltes Team sind, haben sie schon in der „Schillerstraße“ (ebenfalls Sat.1) demonstriert.

Chaotische Wohngemeinschaft

In der chaotischen WG lernte Frier von der elf Jahre älteren Komikerin, auf Zuruf zu improvisieren. Noch mit einem Lampenschirm auf dem Kopf schafft sie es zum Beispiel, jeden Satz mit „Null Problemo“ zu beenden. Dieses Improvisationstalent bewährt sich auch im Privatleben - zum Beispiel bei diesem telefonischen Interview. Annette Frier muss nebenbei noch ihrem Sohn Bruno Anschub geben. „Was Sie im Hintergrund hören, ist eine Schaukel, die quietscht“, sagt die Mutter von zweijährigen Zwillingen gleich zur Begrüßung. „Wir sind mit den Kindern auf dem Spielplatz.“

Die Situation entbehrt nicht einer gewissen Komik. Sie passt gut zu der Frau, die Kritiker nach 70 Folgen „Schillerstraße“ als Comedy-Talent abgestempelt haben. Was sie bei aller Freude auch ein wenig irritierte. „Naja", sagt sie gedehnt. „Mit dem Image ist das so eine Sache.“ Als Schauspielerin fühle sie sich auch in tragischen Rollen zu Hause. 2004 gewann sie den Kölner Theaterpreis für Ibsens „Nora“.

Überhaupt: das Theater. Dort wurde sie 1997 von der Schauspielerin Hannelore Hoger entdeckt. Auch heute noch steht sie in Köln regelmäßig auf der Bühne. Die Krachmacherin aus der Schillerstraße, sie kann eben auch anders. Nach Rollen als vorlaute Vorzeige-Blondine in den Serien „SK Kölsch“ oder „Alles außer Sex“ hat sie lange auf eine Gelegenheit gewartet, um zu beweisen, dass sie auch die leisen Zwischentöne beherrscht.

Als Comedy-Talent abgestempelt

Es ist jetzt dreizehn Jahre her, dass sie ihr Debüt im Fernsehen als lesbische Gefangene in der RTL-Serie „Hinter Gittern“ gab. Aus dem mageren Mädchen ist eine proppere Frau geworden, der man den Vamp ebenso abkauft wie die Rolle der Mutter. Sie sagt, ihre optische Verwandlung verblüffe sie selber. „Ich kriege immer einen Riesenschreck, wenn ich nachts nicht schlafen kann, durch die Kanäle zappe und eine alte »hinter Gittern«-Folge sehe. Da sehe ich aus wie zwölf!“

Doch erst mit Mitte dreißig sollte ihr Sat.1 zum Durchbruch als ernstzunehmende TV-Schauspielerin verhelfen. 2009 besetzte sie der Sender für die Rolle der Serienanwältin „Danni Lowinski“. Es ist Kölns Antwort auf Liebling Kreuzberg. Eine Jung-Anwältin, die ihren Tapeziertisch in einer Einkaufspassage aufstellt, weil sie in ihren sexy Fummeln und mit ihrer frechen Klappe keinen Job in einer seriösen Kanzlei findet. Die Drehbücher stammen von Marc Terjung („Edel & Starck“). Es scheint, als habe er Annette Frier vor Augen gehabt, als er die Figur der kämpferischen Berufsanfängerin entwarf, die schon ihre Mandanten heraushauen muss, noch bevor sie selber Tritt im Berufsleben gefasst hat. Die Rolle sei ein Geschenk gewesen, sprudelt es aus Annette Frier am Telefon heraus, während sie Klein-Bruno energisch daran hindert, ihr Bein hochzuklettern. Sie erlaubt es ihr, den schmalen Grat zwischen Komik und Tragik auszubalancieren und dabei ganz sie selbst zu bleiben.

Die Figur der ungehobelten, aber warmherzigen Anwältin der kleinen Leute berührte beim Publikum einen Nerv. Im Herbst werden neue Folgen gedreht. Sat.1 war zweifellos gut beraten, die erste Staffel erst in diesem Frühjahr auszustrahlen. „Danni Lowinski“, das ist das Format passend zur Krise. Mit ihrem zynischen Credo können sich viele Zuschauer identifizieren: „Das ist das Gute am Armsein: Man hat so wenig zu verlieren.“

Der Mut zu scheitern

Für eine solche Rolle braucht man den Mut zu scheitern. Die Tochter eines Wald-und-Wiesen-Anwalts hat ihn in der Impro-Comedy zur Kunstform perfektioniert. Ihre Spontanität und der Hang zu lautstarken Gefühlsausbrüchen haben ihr bei der Annäherung an die eher prollige Figur geholfen. „Wenn mir irgendwas gelingt, werden Sie mich auch noch in zehn Jahren vor Freude kreischen hören.“ Dass sie der Sender jetzt in der neuen Comedy wieder zurück in ihr altes Rollenkorsett steckt, damit hat sie kein Problem. Riesigen Spaß hätten sie am Set gehabt, erzählt sie.

„Wir müssen reden“, ab Freitag, 22.15 Uhr, Sat.1



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