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Bayer

Fünf Stunden mit Dekkers reichten nicht

Von Thomas Käding, 24.11.10, 18:37h

Der Bayer-Vorstandschef stellte sich am Mittwoch den Fragen der Belegschaft zum Stellenabbau. Alle wollten von Dekkers persönlich hören, warum er in Deutschland 1700 Stellen streichen will.

Marijn Dekkers
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Marijn Dekkers, Vorsitzender des Vorstandes der Bayer AG (Bild: dpa)
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Marijn Dekkers, Vorsitzender des Vorstandes der Bayer AG (Bild: dpa)
Leverkusen - Fünf Stunden waren nicht genug: „Es gab eine Menge Fragen, die auch nicht alle abgearbeitet werden konnten“, sagte Thomas de Win, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, nach der Betriebsversammlung am Mittwochvormittag in Gebäude H 4. In drei Sälen hatten sich an die 1800 Bayer-Beschäftigte versammelt. Und nachmittags ging es mit den außertariflichen Angestellten weiter. Auch sie wurden vom neuen Vorstandschef Marijn Dekkers aus erster Hand informiert. Vormittags waren die Mitarbeiter aus den anderen deutschen Standorten zugeschaltet. Alle wollten von Dekkers persönlich hören, wieso bei Bayer Business Services 900 Jobs auf dem Prüfstand stehen - vor allem aber, warum er in Deutschland 1700 Stellen streichen will.

Das zu erklären, sei gar nicht so einfach gewesen, lautete die Einschätzung von einem, der auch dabei war: Dem Konzern geht es prächtig, da muss die von Dekkers geplante Stärkung der Expansion in den Boom-Märkten wie China und Brasilien nicht zwangsläufig durch ein Sparprogramm vornehmlich in Deutschland gegenfinanziert werden. Es sei daher deutliche Betroffenheit bei den Mitarbeitern zu spüren, phasenweise sei die Stimmung sogar „aufgebracht“ gewesen, heißt es.

Entgegen den üblichen Gepflogenheiten kamen nach Dekkers' Erklärungen sofort die Betroffenen zu Wort. Der neue Vorstandschef musste sich nicht nur mit den Fragen der Leverkusener Mitarbeiter befassen, sondern auch den Belegschaften der anderen Werke antworten, die sich per Fax und E-Mail einschalten konnten.

Antworten später

Die harte Gangart, die Dekkers mit seinem Sparpaket angeschlagen hatte, habe einen Wust von Fragen und Anmerkungen ausgelöst, die selbst in fünf Stunden nicht behandelt werden konnten, heißt es. Manches werde daher später beantwortet, erklärte Betriebsrat Thomas de Win nach der Sitzung.

Auch Dekkers habe betont, dass die Verhandlungen über das Sparpaket „so schnell es geht“ aufgenommen werden sollen - was zu loben sei. Ausdrücklich würdigte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats auch, dass sich der neue Bayer-Chef persönlich den Mitarbeitern gestellt habe. Theoretisch hätte er das auch Arbeitsdirektor Richard Pott überlassen können. Dessen Aufgabe beschränkte sich am Mittwoch darauf, den Strategiebericht für den Personalsektor abzugeben.

Fast mehr Kopfzerbrechen bereitet de Win derzeit das Sparprogramm bei der IT-Tochter Bayer Business Services. Die Ausschreibung vieler Leistungen bedeutet für den Betriebsrat: „Das Unternehmen verlässt den gemeinsamen Weg.“ Darüber, ob BBS-Chef Daniel Hartert das Sparpaket in „vorauseilendem Gehorsam“ und mit dem Wissen aufgelegt habe, dass Dekkers die Struktur in Bayers IT-Sektor unnötig kompliziert findet, wollte de Win „nicht spekulieren“. Unterm Strich ändere das ohnehin nichts an einem „Strategiewechsel“, den de Win vor dreieinhalb Jahren mit dem Service-Tarifvertrag eigentlich verhindern wollte: Jetzt gehe es nicht mehr um gute Leistungen zu vernünftigen Preisen, sondern nur um „die billigste Lösung“. Das, so de Win, sei „nicht Bayer-like“.



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