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Wenn man älter wird. . .

Keine Angst vor Schwergewichten

Von Roberto Jurkschat, 29.11.10, 16:22h

Helene Winnen ist über 90 Jahre alt. Sie trainiert zweimal die Woche im „Sporting Club“. Sie geht wie selbstverständlich an die Klimmzugmaschine, macht Kraftübungen mit Kurzhanteln und steigt aufs Laufband.

Helene Winnen
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Regelmäßig besucht Helene Winnen ein Fitnessstudio in Opladen. Sit-ups sind für sie kein Problem – auch wenn man diese Übungen früher Rumpfbeugen oder Aufrichter nannte. (Bild: Ralf Krieger)
Helene Winnen
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Regelmäßig besucht Helene Winnen ein Fitnessstudio in Opladen. Sit-ups sind für sie kein Problem – auch wenn man diese Übungen früher Rumpfbeugen oder Aufrichter nannte. (Bild: Ralf Krieger)
Trainer Frank Anft
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Trainer Frank Anft hilft an der Klimmzugmaschine. (Bild: Ralf Krieger)
Helene Winnen
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Manchmal muss sich Helene Winnen überwinden. Aber hinterher ist sie immer froh, wenn sie die Hanteln in die Hand genommen hat. (Bild: Ralf Krieger)
Trainer Frank Anft
Helene Winnen
Bei einer Werbeaktion hat Helene Winnen im Frühjahr 2007 ein einmonatiges Gratistraining im „Sporting Club“ in Opladen gewonnen. Sie hätte darüber lächeln und zu Hause bleiben können, schließlich war sie 89 Jahre alt. Als sie aber dann ihren Wagen vor dem „Sporting Club“ parkte und mit Gutschein und Trainingssachen im Foyer des Fitnesscenters stand, war das für Trainer Frank Anft und Club-Chef Simon Weber doch eine kleine Sensation. Heute ist es längst normal, dass sie zweimal pro Woche an die Klimmzugmaschine geht, Kraftübungen mit den Kurzhanteln macht, auf das Laufband und die „Power Plate“ steigt. Keine Viertel-, sondern eine ganze Stunde.

Dass sie 1918 zur Welt kam, als das Land noch einen Kaiser hatte, stört sie nicht bei ihrem Training. Warum auch? Über die Politiker ärgere sich die Opladenerin ohnehin meistens nur. Den Gratulationsbrief vom Bundespräsidenten zum 100. Geburtstag? Brauche sie nicht. Der Sport war aber immer eine Leidenschaft von ihr. Opladen bestand in den 20er Jahren vor allem aus Wald und Feldern. 30 Minuten Fußweg waren es vom Haus ihrer Eltern in der Kanalstraße bis zum Freibad Waldwinkel. Zusammen mit Freundinnen hat sie im Sommer auf dem Weg dorthin Kornblumen, Mohnblumen und Zittergras gepflückt.

Als sie acht Jahre alt war, nahm sie an Schwimmwettkämpfen teil, spielte Schlagball in der Schule, machte Gymnastik und trat dem TSV Bayer 04 als Geräteturnerin bei. Rund zehn Sekunden lang brauchte Helene Winnen mit 17 Jahren, um 75 Meter zu laufen, nahm bei Leichtathletikwettkämpfen am Hoch- und am Weitsprung teil. Nie hat sie aufgehört, sich sportliche Ziele zu setzen. Vom Reiten, Skifahren und vom Tennis erzählt sie beinahe nebenbei, dabei stand sie im vergangenen Frühjahr noch bei Obersdorf auf den Brettern, und mit dem Tennis ging es erst vor vier Jahren zu Ende, als ihre Augen allmählich schlechter wurden. Heute marschiert sie pro Tag eine Stunde lang mit Nordic-Walking-Stöcken durch den Garten. „Wenn es schneit, dann mit Kapuze.“ „Mit ihrem Programm halten sich andere fit, die Mitte 20 sind", sagt Frank Anft, der Helene Winnen bei ihren Übungen hilft. Obwohl Sport im hohen Alter zum Schutz vor Schlaganfällen, Herzinfarkten, schweren Stürzen und Demenz beiträgt und von Krankenkassen bezuschusst wird, sind solche Aktivitäten bei älteren Menschen eher die Ausnahme. Ein Blick in die Statistik des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) verrät, dass über 60 Jahre nicht einmal jeder Fünfte noch sportlich aktiv ist. Die Gesellschaft wird älter. Ob man im Alter aber fit und gesund bleibt, ist damit nicht gesagt und nur mit moderner Medizin auch nicht sicherzustellen. „Gesundheit hängt von der körperlichen und geistigen Beweglichkeit ab“, erklärt Trainer Frank Anft. Sport fördere beides, weil die Sozialisation unter Gleichaltrigen die Motivation und die Stimmung hebe.

Für Sporting-Club-Chef Simon Weber sei es darum auch wichtig, Programme anzubieten, die auf ältere Leute zugeschnitten sind. Dafür hat er ein Team aus Physiotherapeuten, Diplom-Sportlern, Sportmedizinern und Massage-Therapeuten zusammengestellt. „Ein Problem ist, dass die meisten nicht zur Prävention kommen, sondern erst dann, wenn sie bereits unter Beschwerden leiden“, sagt Weber.

Helene Winnen ist ein Vorbild, bloß mit dem Dilemma, dass sie eigentlich gar keins sein will. Sie hebt lieber hervor, was Anft und Weber für sie tun, ohne deren Hilfe sie „kaum so regelmäßig dabei geblieben wäre“. Sie gibt auch zu, dass sie sich manchmal zum Training aufraffen muss. Ihr innerer Schweinehund weiß aber scheinbar genau, wer das Sagen hat. Nach dem Training hat sie „das Gefühl, was getan zu haben“ und freut sich schon auf den Abend, „der sich dann immer besonders gut anfühlt“.



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