Von Jan Sting, 16.06.11, 20:15h
Antiquiert mag das wirken, aber abgesehen davon, dass das Ensemble mit einer Menge Pfiff und Enthusiasmus bei der Sache ist, ist die Wahl des Stücks auch sehr aktuell. Viele Erwartungen werden derzeit in die Demokratisierung Nordafrikas gesetzt. Skeptiker halten den Kampf um Demokratie dort noch lange nicht für gewonnen. Beaumarchais wiederum war ein Autor, der mit seinen aufrührerischen Theaterstücken eine wichtige Rolle für die Geschichte der Demokratie spielte. Die Uraufführung war 1784. Sechs Jahre konnte das Stück nur in privaten Zirkeln gespielt werden, es stand unter königlicher Zensur. Fünf Jahre nach der Uraufführung stürmten die Franzosen die Bastille, schafften die Privilegien ab.
Virtuose Machtspielchen
Frech hält der andalusische Haushofmeister Figaro, den Tassilo von Schmeling so gewitzt spielt als sei die Rolle für ihn gemacht, dem tumben Grafen (Pascal Meyer-Ahrens) und dessen Frau (Fiona Flatow) den Spiegel vor. Der Graf hat es auf Figaros Braut Suzanne (sehr resolut: Linda Adler) abgesehen. Die Gräfin hat sich in den Pagen Cherubim (leichtfüßig: Leon Soltesz) verguckt. Das Hin- und Her, die Verwechslungen und kleinen Machtspielchen sind virtuos gespielt. Aufschlussreich sind vor allem die Wahrheiten über ein dekadentes Herrschaftssystem, die Beaumarchais seinerzeit mutig aussprach.
Die Premiere am Freiherr-vom Stein-Gymnasium, Morsbroicherstraße 77, ist am heutigen Freitag, 17. Juni, 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen folgen am Sonntag und Montag, 19. und 20. Juni, 19.30 Uhr.
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